[Frage] Taupunkt

z.B. Halo, Temperaturprofil bei Strahlungsnacht, Alpines Pumpen, ...
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alex2911

[Frage] Taupunkt

#1 Beitrag von alex2911 » Dienstag 26. Januar 2010, 14:19

Hallo Wetterfans & Profis

Ich bin auf der Suche nach einer einfachen Erklärung des Taupunktes.

Habe zwar schon hier und da was darüber gelesen, verstehe es jedoch noch immer nicht.

Wenn bei -5,1°C der TP bei -9,0°C liegt, was passiert da oder warum ist der Wert überhaupt von Bedeutung ?

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WeitraLord
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Re: [Frage] Taupunkt

#2 Beitrag von WeitraLord » Dienstag 26. Januar 2010, 14:22

alex2911 hat geschrieben:Hallo Wetterfans & Profis

Ich bin auf der Suche nach einer einfachen Erklärung des Taupunktes.

Habe zwar schon hier und da was darüber gelesen, verstehe es jedoch noch immer nicht.

Wenn bei -5,1°C der TP bei -9,0°C liegt, was passiert da oder warum ist der Wert überhaupt von Bedeutung ?
Sehr gut Erklärt hier : http://de.wikipedia.org/wiki/Taupunkt" onclick="window.open(this.href);return false;
Aus Weitra auf 562 m ü. A. =>Wetter-Monitor<=

alex2911

Re: [Frage] Taupunkt

#3 Beitrag von alex2911 » Dienstag 26. Januar 2010, 14:47

aber was hat das mit dem wetter zu tun ?
wenn der taupunkt bei -9°C liegt und die temp. bei -5 dann ists sowieso arschkalt *rofl* .
wozu ist der taupunkt also beim wetter gut ?

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ManuelW4
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Re: [Frage] Taupunkt

#4 Beitrag von ManuelW4 » Dienstag 26. Januar 2010, 14:55

Vereinfacht könnte man sagen, dass man anhand des Taupunktes ablesen kann, wie feucht sie ist bzw. wie gesättigt. Liegt der Taupunkt beispielsweise weit unter der Lufttemperatur, ist die Luft relativ trocken und könnte theoretisch noch einiges an Feuchte aufnehmen. Wird bei Abkühlung dieser Luftmasse ihr Taupunkt erreicht, so kommt es zur Kondensation ;)

Bsp: Lufttemperatur: 10 °C, Taupunkt 0°C
-> Heißt, dass man die Luft bis 0°C abkühlen kann, erst dann kommt es zur Kondensation.
Bei Nebel etwa sind Taupunkt und Temperatur nahezu gleich, bzw. ident.

Lg Mani
- Mauerbach (Wienerwald, Bez. PL), 345 m
- Oberedlitz an der Thaya (nördl. Waldviertel, Bezirk WT), 485 m

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Re: [Frage] Taupunkt

#5 Beitrag von ffplk082 » Mittwoch 27. Januar 2010, 09:43

Zusätzlich kann an Hand des Taupunktes man grob abschätzen, wie weit es überhaupt abkühlen kann.
Die mit Erreichen der Taupunktstemperatur freigesetzte Kondensationswärme verhindert eine weitere Abkühlung.

Im Herbst 2009 lag der Taupunkt generell höher als in den vergangenen Jahren. Dadurch kam es häufig noch bei eingen Plusgraden und oft schon gegen Mitternacht zur Kondensation. Folglich fehlte dadurch die weitere Abkühlung in der 2. Nachthälfte (oft noch um die 3 K), wodurch es relativ lange frostfrei blieb.
lg
Hans
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Daniel

Re: [Frage] Taupunkt

#6 Beitrag von Daniel » Donnerstag 28. Januar 2010, 05:24

und im Sommer für Gewitterbildung von großer Bedeutung

ab einem Taupunkt von etwa 16,8°C spricht man von schwülen Wetter - dies wiederum begünstigt Gewitterbildung

ab einem Taupunkt von über 20°C wirds dann langsam unerträglich - dann eine Kaltfront die nicht zu flach reinkommt und es scheppert ordentlich (ausser in Wien - Deckel) ;).

Im Winter und Herbst bzw. eh generell kann man in etwa sagen wie weit es abkühlen kann (tritt aber meist eh nicht ein - da viele andere Faktoren hinderlich sind - frischt Wind auf - ziehen Wolken auf....)
Taupunkt im Winter halte ich nicht so für einen wichtigen Wert

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mani
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Re: [Frage] Taupunkt

#7 Beitrag von mani » Donnerstag 28. Januar 2010, 14:53

Daniel hat geschrieben:und im Sommer für Gewitterbildung von großer Bedeutung

ab einem Taupunkt von etwa 16,8°C spricht man von schwülen Wetter - dies wiederum begünstigt Gewitterbildung

ab einem Taupunkt von über 20°C wirds dann langsam unerträglich - dann eine Kaltfront die nicht zu flach reinkommt und es scheppert ordentlich (ausser in Wien - Deckel) ;).
Wobei man schon sagen muß, dass dies natürlich nur bei hohen Temperaturen der Fall ist. Wenns eine Lufttemperatur von 21°C und einen Taupunkt von 20°C hat ist's natürlich noch nicht schwül.

Wie kommst du auf den genauen Wert 16,8°C eigentlich?

lg, Mani
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Daniel

Re: [Frage] Taupunkt

#8 Beitrag von Daniel » Donnerstag 28. Januar 2010, 19:29

16,8°C TP ist der def. Wert für Schwüle und dies gilt auch für 21°C bei 100% feuchtn

Daniel

Re: [Frage] Taupunkt

#9 Beitrag von Daniel » Donnerstag 28. Januar 2010, 19:32

bittesehr

http://de.wikipedia.org/wiki/Schw%C3%BCl" onclick="window.open(this.href);return false;

andere erwehnen 18,3°CTP hmmmmm *nixweiss* *grübel* *hä*

hatte die 16,8°C mal von der ZAMG erfahren noch lange vor Skywarn und ich glaub dies auch

kann das wer von unseren Profis sagen bitte?

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mani
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Re: [Frage] Taupunkt

#10 Beitrag von mani » Donnerstag 28. Januar 2010, 20:52

Ah danke, diese Definition habe ich nicht gekannt. Schwüle definiert jeder wohl bissl anders, daher wohl auch die unterschiedlichen Werte.
Wär halt nicht schlecht, wenn beim Wikipedia Artikel eine Quelle angegeben wäre, weil so könnt jeder alles mögliche behaupten ;)

lg, Mani



P.S.: Man schreibt übrigens "erwähnen" so ;)
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Robert83
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Re: [Frage] Taupunkt

#11 Beitrag von Robert83 » Donnerstag 28. Januar 2010, 21:11

Hier sind schon einige ganz gute Erklärungen dabei. Hier noch mein Senf - abseits von jeglicher Wissenschaftlichkeit und Definitionwahn.
Dass der Taupunkt im Winter nicht wichtig wäre, das halte ich für ein Märchen.
Der Taupunkt ist zu jeder Jahreszeit von Bedeutung - mit allen möglichen Erscheinungen.
Das signifikanteste Erscheinungsform ist wohl Nebel, der halt bevorzugt dann auftritt, wenn es eh schon relativ gesättigte Luft nocheinmal abkühlt. Dann beträgt die relative Luftfeuchte an die 100% und das in der Luft gespeicherte Wasser kondensiert aus und tritt als Nebel zu Tage. Eine weitere Feuchtigkeitsaufnahme ist nicht mehr möglich, daher hat man auch das Gefühl, dass alles irgendwie feucht ist.
Ob das jetzt Hochnebel, Bodennebel oder sonstiges ist, ist egal, immer sind in der Nebelschicht Taupunkt und Temperatur ident.
Eine weitere Abkühlung kann zwar noch stattfinden, allerdings geht das nun zögerlicher als bei trockenerer Luft, da neben der Temperatur natürlich auch der Taupunkt mitfallen muss und die übersättigte Luft das Wasser loswerden muss, was aufgrund der spezifischen Wärmekapazität von Wasser um einges mehr Energie beansprucht.
Im Winter spielt der Taupunkt insofern eine Rolle, da ein Taupunkt unter 0 Grad das Abschmelzen der Schneedecke verzögert.
Aufgrund der Verdunstungskälte, die bei niedrigem Taupunkt auftritt, bildet sich quasi ein Mikroklima, das Schnee und Eis vor dem schmelzen rettet. +3Grad bei einem Taupunkt unter 0°C machen dem Schnee oft nicht viel aus, beträgt der Taupunkt allerdings über 0°C, so ist die Verdunstungskälte nicht mehr ordentlich gewährleistet und der Schnee rinnt förmlich nur mehr so dahin. Föhnwetterlagen bieten auch trockene Luft mit niedrigem Taupunkt, allerdings verhindert der Wind die Bildung des Mikroklimas und die trockene Luft kann somit den Schnee förmlich wegfressen. So kann ein halber Meter ohne große Feuchtigkeitsrückstände am Boden verdunsten indem die darüberstreichende Luft mit dem im Schnee enthaltenen Wasser gesättigt wird.
Zuletzt geändert von Robert83 am Donnerstag 28. Januar 2010, 21:17, insgesamt 2-mal geändert.

Daniel

Re: [Frage] Taupunkt

#12 Beitrag von Daniel » Donnerstag 28. Januar 2010, 21:14

Danke Robert

und sorry mani meinte eh erwähnen schreib ich zu selten daher der fehler

uwebegander

Re: [Frage] Taupunkt

#13 Beitrag von uwebegander » Freitag 29. Januar 2010, 03:37

ich habe schon im gestrigen tagesthread einmal den hinweis gefunden, dass ein taupunkt unter 0°C ein hinweis sein soll, dass das tauen/schmelzen nicht stattfindet; jetzt hat Robert in seiner erklärung wieder das gleiche geschrieben, allerdings auch gleich dazu erklärt, dass es bei föhnwetter genau anders sei. dazu nun ein paar fragestellungen bzw. ideen, eventuell könnte jemand das er bzw. aufklären?

föhnwetter heißt ja besonders großer abstand zwischen temperatur und taupunkt, desto trockener die luft, desto größer ist diese gedachte temperaturdifferenz; allerdings deckt sich das nicht mit meinen erfahrungen, dass dabei die schneedecke nur abtrocknet (bzw. sublimiert), der schnee rinnt schon auch recht kräftig teilweise sogar in bächen davon. bei einer kräftigen föhnlage gibt es halt nach ende des abtauens auch noch einen trocknungsprozess, in dem die flüssigkeit wieder verdunstet, so dass das endergebnis recht trocken aussieht.
kann das jemand von den föhnexperten bestätigen oder zeigt unser "jauk" (= bezeichnung für den föhn in der west-stmk) ein anderes verhalten als der föhn im allgemeinen?

aber auch ein völlig normaler schwacher wind sorgt in der bodennahen zone direkt über der schneedecke für den abtransport der feuchte bzw. für das einbringen zusätzlicher schmelzenergie, auch da kann also der negative wert des taupunkts den schmelzvorgang nicht wirklich abschwächen oder abbrechen; erst bei relativer windstille kann sich meiner meinung nach somit diese zone gemässigten stoff- und energieaustausches ausbilden. positive temperaturbewirkt den beginn des abschmelzens, das braucht viel energie und kühlt den bereich über dem schnee sofort stark ab, bis die temp. bis zum taupunkt abgekühlt ist, (boden) nebel bildet sich aus, die nun gebildete kalte luftschicht über dem schnee vermag das weitere abschmelzen zu verhindern, da auf taupunkttemperatur abgekühlt und nun ebenfalls negativ.

für mich bedeutet das in summe, dass allein ein negativer wert des taupunkts keinen rückschluss auf schmelzen oder nicht schmelzen zulässt, bin ich da am holzweg?

danke im voraus für aufklärung und richtigstellung, gute nacht
Uwe

Daniel

Re: [Frage] Taupunkt

#14 Beitrag von Daniel » Freitag 29. Januar 2010, 04:01

uwebegander hat geschrieben: für mich bedeutet das in summe, dass allein ein negativer wert des taupunkts keinen rückschluss auf schmelzen oder nicht schmelzen zulässt, bin ich da am holzweg?
naja trockene Luft verhindert den Schmelzvorgang bzw minimiert diesen (Schnee sublimiert - verdunstet als ca 1mm am Tag wenns ganz trocken ist

allerdings bei 1°C und TP -0,1°C glaub ich tauts trotzdem *grübel*

natürlich muss der Taupunkt über dem Schnee auch unter 0°C liegen also nichht nur in der Wetterhütte

dann sollt nichts passier dem *snow2*

aber wie gesagt sollte der TP schon weiter unter 0°C liegen

Wind verbläst zwar die Sublimationsschicht, durchmischt er aber ohne positiven Taupunkt sollts schon passen :?: hmmm

Exilfranke1
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Re: [Frage] Taupunkt

#15 Beitrag von Exilfranke1 » Donnerstag 4. Februar 2010, 15:35

Hier werden alle Fragen beantwortet:
Der Schnee schmilzt . . . nein . . . er taut!?

Das war in diesem Jahr doch toll . . . kaum waren die
Weihnachtsfeiertage vorüber, kam auch schon der Sonntag. Was
kann einem Besseres passieren, um sich von der Weihnachtszeit
wieder zu "erholen". Nun hat aber eine neue, wenn auch für die
Mehrheit verkürzte, Arbeitswoche begonnen. Zeit, sich wieder
mit den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu beschäftigen:
Taut der Schnee nun, oder schmilzt er? Für viele scheint dies
nur eine rein rhetorische Frage zu sein, wie man aber am Ende
des heutigen Thema des Tages feststellen wird, ist die genaue
Begrifflichkeit tatsächlich entscheidend.

Beginnen wir zunächst damit, einige Grundbegriffe zu erläutern
und in das Gedächtnis zurück zu rufen. Was genau ist eigentlich
die Temperatur? Diese physikalische Größe beschreibt die
Heftigkeit der Bewegung (kinetische Energie) von Luftteilchen.
Umso heftiger sich diese Teilchen bewegen, desto höher ist die
Temperatur die wir am Thermometer messen können. Höhere
Temperaturwerte empfindet der Mensch als warm, weil durch die
Bewegung der Teilchen Wärme erzeugt wird (Reibung, etc.). Wenn
man exakt ist, dann sind die beiden Begriffe Temperatur und
Wärme nicht miteinander gleichzusetzen. Die Wärme ist eine
Prozessgröße und besteht aus mehreren Anteilen, wovon nur die
Änderung der fühlbaren Wärme auch zwangsläufig eine Änderung
der Temperatur nach sich zieht. Die Temperatur ist in diesem
Zusammenhang eine Zustandsgröße, welche die aktuelle Situation
beschreibt.

Der allgemeine Begriff der Temperatur ist sehr vielfältig, denn
es existieren verschiedene Arten. So gibt es beispielsweise
auch die Taupunkttemperatur. Diese, in der Meteorologie
wichtige Größe, beschreibt, ab welchem Temperaturwert der
Wasserdampf in der Luft gesättigt ist. Das heißt, kühlt man die
Luft auf die Taupunkttemperatur ab, beträgt die relative
Feuchte 100 %. Etwas allgemein gesagt, tritt dann die Bildung
von Nebel oder von Wolken ein. Der Taupunkt ist immer geringer
oder gleich (Sättigung) der Temperatur.
Eine weitere wichtige Größe ist die Feuchttemperatur. Diese
zeigt ein Thermometer an, wenn es vollständig feucht ist. Man
erreicht dies, indem man einen feuchten Strumpf um das
Thermometer spannt. Aber warum ist die Temperatur dann
eigentlich niedriger? Das liegt daran, dass die flüssige Phase
am feuchten Strumpf in die gasförmige Phase übergeht. Man
spricht in diesem Zusammenhang von einem Phasenübergang. Dafür
ist Wärmeenergie notwendig, welche der Umgebung entzogen wird
(es wird fühlbare Wärme in latente Wärme umgewandelt). Dieser
Wärmeentzug führt zu einem Rückgang der Temperatur. Die
Feuchttemperatur ist umso niedriger, desto geringer die
Luftfeuchte ist. Die Luft kann bei einer geringen Luftfeuchte
nämlich mehr Wasserdampf aufnehmen, als bei einem höheren Wert.
Entsprechend wird mehr Wärmeenergie benötigt und die Temperatur
liegt tiefer. Die Feuchttemperatur ist immer niedriger als die
Temperatur, aber höher als der Taupunkt. Ein Sonderfall stellt
sich bei einer Feuchte von 100% ein, denn dann sind alle drei
beschriebenen Werte gleich groß.

Nun haben wir eigentlich alle Begrifflichkeiten beisammen, um
die Ausgangsfragestellung zu beantworten: Temperatur,
Feuchttemperatur, Taupunkt und Wärme.
Nehmen wir an, wir haben eine frisch gefallene Schneedecke an
einem Wintermorgen. Die Temperatur steigt im Tagesverlauf auf
leicht positive Werte an. Aufgrund der geringen Feuchte sind
allerdings Feuchttemperatur und Taupunkt noch negativ. Ist
dies der Fall, dann "sublimiert" der Schnee. Unter Sublimation
versteht man den direkten Übergang von Schnee in Wasserdampf
(fest zu gasförmig). Die Schneedecke nimmt dadurch nur sehr
langsam ab und der Schnee bleibt vollkommen trocken.
Einen Tag später steigt die Temperatur noch weiter an. Die
Feuchttemperatur überschreitet den Gefrierpunkt und nur der
Taupunkt ist noch negativ. Ist dies der Fall, dann beginnt der
Schnee zu "schmelzen". Der Schnee geht dabei sowohl in die
flüssige Phase (fest zu flüssig), als auch in die gasförmige
Phase über. Er verliert nun schon rascher an Masse.
Noch einen Tag später erreicht ein Tiefausläufer das
Schneegebiet. Die Feuchte steigt und auch der Taupunkt
überschreitet die Nullgradgrenze. Alle drei Temperaturwerte sind
also positiv. Jetzt beginnt der Schnee zu "tauen", das heißt,
er geht ausschließlich von dem festen, in den flüssigen
Phasenzustand über. Die Schneedecke verliert nun sehr rasch an
Masse.

Bei welcher Lufttemperatur der Schnee sublimiert, schmilzt oder
taut, ist stark von der relativen Luftfeuchte abhängig. Ein
Beispiel: Angenommen die relative Luftfeuchte beträgt 50 %,
dann sublimiert der Schnee bis +3.5°C, er schmilzt zwischen 3.5
und 10°C und er taut schließlich bei über 10°C. Beträgt die
relative Feuchte nur 20%, dann bleibt der Schnee auch bis 7°C
noch trocken.

Die Frage: " Schmilzt du noch, oder taust du schon?", lässt
sich also nur mit einem Blick auf die Luftfeuchte beantworten.

In diesem Sinne wünsche ich schon einmal einen "Guten Rutsch"!

Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Quelle: http://www.wzforum.de/forum2/read.php?7,1773815" onclick="window.open(this.href);return false;

Daniel

Re: [Frage] Taupunkt

#16 Beitrag von Daniel » Montag 15. Februar 2010, 12:49

Thnxs

und wenn der Schnee dann von unten taut/schmiltzt (etwa Herbst wenn der Boden noch warm ist - oder generell auf Dächern) dann nützt die Sublimationsschicht darüber Nüsse - halt sofern die SchneeStärke nicht zu hoch ist .....

Wobei ansich dann der TP über der Schneedecke durch den Schmelzvorgang von unten steigen müsste :?: und somit beidseitig zerfressen wird - ja ja schad drum aber ich Überleg grad *grübel*

Reniar
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Re: [Frage] Taupunkt

#17 Beitrag von Reniar » Mittwoch 17. Februar 2010, 16:16

Zusammengefasst kann man sich die verschiedenen Definitionen auch so merken:
Der Taupunkt ist jene Temperatur, die bei gegebener Feuchte (=fixe Masse Wasser pro m³ trockener Luft= Absolute Feuchte in g/m³), eintreten muss, damit das Wasser kondensiert, also eine Sättigung eintritt (Sättigung entspricht 100% relative Feuchte, da die relative Feuchte wie folgt definiert ist: RF=e(aktueller Dampfdruck=Partialdruck des Wassers)/es(Sättigungsdampfdruck)*100%).
Die Differenz zwischen aktueller 2m Temperatur und -Taupunkt bezeichnet man als spred.
Direkt ablesen kann man den spred in Temps, also Vertikalprofilen der Atmosphäre. Gehen Temperatur und Taupunkt weit auseinander, ist der spred hoch, das heißt es handelt sich um eine trockene Schicht.
Das Gegenstück zum Taupunkt ist übrigens die virtuelle Temperatur. Es ist jene Temperatur die theoretisch erreicht wird, wenn einem Luftpaket durch Austrocknung (Verdunstungswärme) vollständig die Luftfeuchte entzogen wird. Bei entsprechend feuchter und heißer Luft kann diese virtuelle Temperatur (virtuell deshalb, da der Umstand der völligen Austrocknung in der Natur nicht erreicht wird) Werte von maximal ~60°C annehmen.

Für den Synoptiker ist der Taupunkt unter anderem deshalb relevant, da er die Energie des Wasserdampfes in Form von Verdampfungswärme mit berücksichtigt.
Auf den Wetterkarten können so schnell energiereiche und energiearme Luftmassen ausfindig gemacht werden.
Wien 21 | Grenze Stammersdorf/Großjedlersdorf

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Re: [Frage] Taupunkt

#18 Beitrag von Herfried » Dienstag 2. März 2010, 20:18

naja die virtuelle (äquivalent potentielle) Temperatur kann schon mal an die 90°C gehen.
Schöne Grüße vom Zösenberg bei Graz, Herfried Spät-Schneefrosch 2011

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Re: [Frage] Taupunkt

#19 Beitrag von wetterfreak vbg » Sonntag 4. Juli 2010, 23:26

Ich habe auch eine Frage zum Taupunkt,

1. wie rechnet man den aus

2. Auf welcher seite findet man aktuelle Taupunkte?

und wieviel ° Taupunkt wäre das bei 21,6°C bei 79% Luftfeuchte?
Lg. Michael , 21 :oe

Dornbirn 413 m.ü.A./Innsbruck 574 m.ü.A.

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Re: [Frage] Taupunkt

#20 Beitrag von MarcoKTN » Sonntag 4. Juli 2010, 23:29

frage 1:

http://www.wettermail.de/wetter/feuchte.html" onclick="window.open(this.href);return false;

dort einfach die aktuellen Daten (Temp,Luftfeuchte) eingeben, dann rechnets dir den Taupunkt aus

wie er berechnet wird, steht drunter

frage 2: auf wetter.orf.at steht bei den einzelnen stationen immer der Taupunkt dabei, wenn du die station anklickst (wird halt nur alle 2h aktualisiert (außer bei Hauptstädten - dort alle 1h)
Amlach(620m ü.n.N)/Oberkärnten-Bezirk Spittal-Oberes Drautal

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Re: [Frage] Taupunkt

#21 Beitrag von wetterfreak vbg » Sonntag 4. Juli 2010, 23:31

Thx!
Lg. Michael , 21 :oe

Dornbirn 413 m.ü.A./Innsbruck 574 m.ü.A.

alex2911

Re: [Frage] Taupunkt

#22 Beitrag von alex2911 » Montag 20. Dezember 2010, 07:11

Entschuldigung wenn ich den alten Thread vorgrabe...
Ich habe da noch was gefunden ("Feuchttemperatur") was bei mir einen "AHA"-Effekt ausgelöst hat und würde dies gern bestätigt wissen:
Eine weitere wichtige Größe ist die Feuchttemperatur. Diese
zeigt ein Thermometer an, wenn es vollständig feucht ist. Man
erreicht dies, indem man einen feuchten Strumpf um das
Thermometer spannt. Aber warum ist die Temperatur dann
eigentlich niedriger? Das liegt daran, dass die flüssige Phase
am feuchten Strumpf in die gasförmige Phase übergeht. Man
spricht in diesem Zusammenhang von einem Phasenübergang. Dafür
ist Wärmeenergie notwendig, welche der Umgebung entzogen wird
(es wird fühlbare Wärme in latente Wärme umgewandelt). Dieser
Wärmeentzug führt zu einem Rückgang der Temperatur.
Wenn ich im Sommer zb. schwimmen war und aus dem Wasser steige, ist mir immer arschkalt. Es kann auch 30°C oder mehr haben :D . Könnte ich rein theoretisch also auf den Thermometer schauen und sagen "ja, es fühlt sich gerade an als wären es nur 20°C draußen" ?

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Re: [Frage] Taupunkt

#23 Beitrag von ThomasWWN » Samstag 15. Juni 2013, 12:08

Das Thema des Tages beim DWD befasst sich heute mit dem Thema Taupunkt:
15.06.2013, 08:07 Uhr

Hitze - und Schwüle!

Von der bevorstehenden Hitzewelle in den kommenden Tagen wurde an dieser Stelle bereits im Thema des Tages am Donnerstag (13.06.2013) berichtet (siehe dazu das Archiv, zu finden rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]).

An den Vorhersagen hat sich kaum etwas geändert, sodass uns ab Montag verbreitet Temperaturen von überhttp://www.dwd.de/tagesthema
30 Grad ins Haus stehen. Ab Dienstag werden in der Mitte und im Süden voraussichtlich auch häufig mehr als 35 Grad erreicht. Die erste Hitzewelle des Jahres wird wohl mindestens bis etwa Mittwoch oder Donnerstag anhalten. Damit steigt die Wärmebelastung alleine schon aufgrund der Temperaturen, hinzu kommt aber auch noch, dass es zum Teil ziemlich schwül wird.

Was ist denn Schwüle? Unter diesem Begriff versteht man einen Zustand der Luft, bei der Temperatur und Luftfeuchtigkeit hoch sind. Je höher die Werte sind, desto schwerer wird es für den Körper zu schwitzen. Durch die eingeschränkte Verdunstung an der Körperoberfläche und die dadurch fehlende Kühlung kann es in Extremfällen sogar zu einem Hitzschlag kommen.

Anm. ThomasWWN: Jetzt wird es richtig spannend ;)

Um neben der Temperatur die Feuchtigkeit der Luft zu beschreiben sind in der Meteorologie zwei Parameter gebräuchlich: die absolute und die relative Luftfeuchtigkeit. Die absolute Feuchtigkeit stellt dabei die tatsächlich in der Luft enthaltene Feuchtigkeit (in Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter Luft) dar. Bei der relativen Feuchtigkeit wird die absolute Feuchtigkeit ins Verhältnis zur maximal möglichen gesetzt (Angabe in Prozent).

Damit es nun ein Schwüleempfinden gibt, muss die absolute Feuchtigkeit einen Grenzwert von 13,5 g Wasserdampf pro Kubikmeter Luft überschreiten. Diese Menge an Feuchtigkeit kann die Luft aber erst ab einer Temperatur von 16 Grad aufnehmen, darunter ist es physikalisch gar nicht möglich. Somit gibt es erst ab 16 Grad überhaupt Schwüle.

Je höher die Temperatur nun steigt, desto mehr Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen. So sind bei 20 Grad bereits ab einer relativen Feuchtigkeit von etwa 80 % 13,5 g Wasserdampf pro Kubikmeter Luft enthalten und es wird schwül. Bei 25 Grad reichen 60 %, bei 30 Grad 44 % und bei 35 Grad sogar schon 34 %.

Für die Vorhersage der Schwüle benutzt der Meteorologe den sogenannten Taupunkt. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die relative Feuchtigkeit 100 % beträgt. Eine warme und trockene Luftmasse müsste demnach stark abgekühlt werden, damit sie eine relative Feuchtigkeit von 100 % erreicht. Die Taupunktstemperatur liegt also meist unterhalb der tatsächlichen Temperatur, bei 100 % relative Feuchtigkeit sind beide Temperaturen gleich. Eine hohe Taupunktstemperatur zeigt nun eine hohe Feuchtigkeit an. Ab einer Taupunktstemperatur von 16 Grad ist Schwüle zu erwarten, ab 20 Grad wird es schon ziemlich unangenehm.


In der ab Montag beginnenden Hitzwelle werden verbreitet Taupunkte von 16 bis 20 Grad erreicht, nach einigen Wettermodellen können sie gebietsweise auf 20 bis 25 Grad steigen (siehe dazu die Vorhersage des Taupunktes am Dienstag, 18. Juni 2013, 20 Uhr, zu finden rechts
in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]). Alles in allem ist also eine starke bis extreme Wärmebelastung in der neuen Woche zu erwarten.

Entsprechende Hitzewarnungen können Sie in den nächsten Tagen zeitnah unserer Warnkarte unter http://www.dwd.de/warnungen" onclick="window.open(this.href);return false; entnehmen. Zusätzlich lassen sich Hitzewarnungen auch unter http://www.dwd.de/newsletter" onclick="window.open(this.href);return false; abonnieren.

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Re: [Frage] Taupunkt

#24 Beitrag von ThomasWWN » Mittwoch 19. Juni 2013, 10:55

Die Geheimnisse des Taupunkts: Die Temperatur, wenns nass wird - Kachelmannwetter


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