Hebung, was is das genau?

z.B. Halo, Temperaturprofil bei Strahlungsnacht, Alpines Pumpen, ...
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outlaw

Hebung, was is das genau?

#1 Beitrag von outlaw » Donnerstag 1. April 2010, 12:53

Ok, das Sounding versteh ich jetzt schon halbwegs, allerdings ist ja ein hoher CAPE und gute Windverhaeltnisse (Scheerung) nicht ausschlaggebend fuer eine Gewitterzelle. Sowie ich das mitbekommen hab, benoetigt man auch noch Hebungsantrieb als wichtige Zutat ... aber was ist das genau? Bitte um laienhafte Antwort, damit ich es auch verstehe.

Danke David

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wetterfreak vbg
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Re: Hebung, was is das genau?

#2 Beitrag von wetterfreak vbg » Donnerstag 1. April 2010, 16:27

also was ich weiß geht das so:

kalte luft ist immer schwerer als warme und dann entsteht ein Keil wo die Warmluft raufgleitet so entsteht ein hebungstrieb (was ich weiß)

mfg. michael
Lg. Michael , 21 :oe

Dornbirn 413 m.ü.A./Innsbruck 574 m.ü.A.

Exilfranke1

Re: Hebung, was is das genau?

#3 Beitrag von Exilfranke1 » Donnerstag 1. April 2010, 18:46

outlaw hat geschrieben:Ok, das Sounding versteh ich jetzt schon halbwegs, allerdings ist ja ein hoher CAPE und gute Windverhaeltnisse (Scheerung) nicht ausschlaggebend fuer eine Gewitterzelle. Sowie ich das mitbekommen hab, benoetigt man auch noch Hebungsantrieb als wichtige Zutat ... aber was ist das genau? Bitte um laienhafte Antwort, damit ich es auch verstehe. Danke David
Es gibt vier verschiedene Arten von Hebungsantrieb:

1) Thermik, d.h. Einstrahlung, durch die Erwärmung nimmt die Luftdichte ab, ein Luftpaket wird leichter als die Umgebung und kann aufsteigen

2) Orographie, d.h. Anströmung von Gebirgsketten, das sorgt für erzwungene Hebung (die Luft kann nicht in den Berg rein, muss also nach oben ausweichen) und für die berüchtigten Stauniederschläge bei Nordwestlagen oder Südlagen

3) Dynamik an Fronten, d.h. Hebung an Kaltfronten bzw. Konvergenzlinien am Boden, wo Winde zusammenströmen und ebenfalls zum Aufsteigen gezwungen werden. Hebung an Warmfronten und (anfangs) Okklusionen, welche gleichmäßig und flächig stattfindet, wenn wärmere Luftmassen herangeführt werden und sich über vorherrschende Kaltluft schieben. Die <i>Aufgleitfläche</i> ist weniger steil als bei Kaltfronten, wo die Vertikalbewegung senkrecht stattfindet. Entsprechend bringen Warmfronten über einen längeren Zeitraum Niederschläge, während es bei Kaltfront kurzzeitigere Niederschläge, dafür umso heftiger, gibt.

4) Dynamik an Höhentrögen, von Frontalniederschlägen abgesehen bringt auch die Vorderseite eines Höhentrogs Niederschläge, einmal durch die Warmluftadvektion (siehe Warmfront), das andere Mal durch Scherungen und Krümmungen im Höhendruckfeld - welche man aus der Karte mit der absoluten Vorticityadvektion rausliest

Vereinfacht gesagt gibts überall da, wo's orange bis pink ist, Hebungsantrieb, und da, wos grün und blau ist, das Gegenteil, also Absinken

Bild

Die Karte bezieht sich auf den Punkt 4), d.h. in dieser Karte ist der Herantransport von Warmluft (der ebenfalls hebungswirksam werden kann) nicht inbegriffen.

Da kann man sich dann diese Karte anschauen

Bild

Auch hier vereinfacht: orange bis pink ist Warmluftadvektion (Hebung), grün bis blau Kaltluftadvektion (Absinken).

Aufmerksame Hingucker werden rasch feststellen, dass sich die Luftmassenadvektionen und Vorticityadvektionen häufig gegenseitig kompensieren bzw. überkompensieren. Das ist ein Naturgesetz, bei den Chemikern als Prinzip des kleinsten Zwangs bekannt. Wenn sich dagegen beides überlappt, dann hat man intensiven Hebungsantrieb.

Für Wetteranfänger genügt es zu wissen, was die Farben in den Karten bedeuten, den mathematisch(-physikalischen) Hintergrund muss man nicht wissen. Das geht natürlich böse ins Auge, wenn man die Vorhersage professioneller betreiben will, aber fürs Reinschnuppern und für grobes Verständnis reicht es aus, zu wissen, dass man bei POSITIVER VORTICITYADVEKTION (rote Farben) Aufsteigen (= Hebung) hat und bei POSITIVER SCHICHTDICKENADVEKTION (rote Farben) ebenfalls Aufsteigen durch Warmluftadvektion.

In einem Radiosondenaufstieg wirst Du Hebung nicht vorhersagen können, Du kannst dort lediglich diagnostizieren, ob vorher Hebung stattgefunden hat (erkennt man an der Temperatur/Feuchteschichtung, bzw. am Windfeld mit der Höhe).

Dann gibts schließlich noch die Karten mit der Vertikalbewegung:

Bild

Sie zeigen den Druckfall oder Druckanstieg in Hektopascal pro Stunde. Bei fallendem Druck herrscht Hebung (Luftmassen steigen auf und werden in der Höhe abgeführt), bei steigendem Druck Absinken (Luftmassen werden in der Höhe zugeführt und steigen ab). Die Höhe 700 hPa (ca. 3 km) ist deshalb gewählt, weil hier die stärksten Vertikalbewegungen auftreten und der Hauptniederschlag in dieser Schicht gebildet wird.

Vorsicht ist geboten: der Erkenntnisgewinn aus den Karten ist gering, denn:

- wenn Niederschlag gerechnet, MUSS Vertikalbewegung vorherrschen (d.h. der Blick auf die Niederschlagskarten genügt)

- wenn das Modell fälschlicherweise von konvektivem Niederschlag ausgeht, dann stimmt die Vertikalbewegung nicht mehr, denn Schauer sind durch Aufwinde bedingt, die meist über 3km hinaus reichen. Hebungsantrieb in der Karte kann also schon die Folge eines Schauers, nicht aber dessen Ursache sein.

- wie man in der Beispielkarte sieht, hat man oft große Batzen an Hebungsantrieb oder Absinken, die aber nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Art und Ausdehnung des Niederschlags geben. Man spricht auch von unterschiedlichen (Längen-)skalen. Schauer und Gewitter entstehen auf einer sehr kleinen Skala (von wenigen Kilometern bis mehreren zehn Kilometern), der geplottete pinke Batzen umfasst hunderte Kilometer. Darunter kann sich nun ein flächiges, nichtkonvektives Regengebiet (der ordinäre Dauerregen) verbergen, aber auch eine Gewitterlinie oder sowohl Regengebiete als auch eingelagerte Gewitter. Das sieht man aus dieser Karte nicht heraus bzw. braucht man einiges an Erfahrung/Übung, um die Signale richtig zu interpretieren.

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Ich hab damals schon vor dem Studium angefangen, gleich auf die Vorticityadvektionen und Warmluftadvektionen zu schauen, auch wenn ich anfangs noch nicht wusste, was der theoretische Hintergrund ist. Für praktische Zwecke genügt aber, wie gesagt, zu wissen, was die Farben bedeuten: Hebung mit Wolkenbildung oder Absinken mit Wolkenauflösung.

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Mark v
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Re: Hebung, was is das genau?

#4 Beitrag von Mark v » Donnerstag 1. April 2010, 21:12

1+ setzten, würd ich sagen ;)wiedermal eine super Erklärung, die du hier wieder ablieferst, vielen dank für deine Mühe Felix *top* *top*
Mfg Markus

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Helmut Graz
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Re: Hebung, was is das genau?

#5 Beitrag von Helmut Graz » Mittwoch 14. April 2010, 19:19

Von mir auch ein großes Danke, so lernt man immer wieder etwas dazu *bravo*
lg Helmut Kalsdorf b. Graz

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