Blitzeinschläge in Gipfel von Sendeanlagen getriggert ?

Wie entsteht z.B. eine Rollcloud, Tornado, ...? Was ist die F-Skala etc ...?
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da Mangfalltaler
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Blitzeinschläge in Gipfel von Sendeanlagen getriggert ?

#1 Beitrag von da Mangfalltaler » Dienstag 22. September 2015, 09:18

Hallo Zusammen!

Nachdem die Gewittersaison 2015 wohl nun zu ende geht hier mal ein gesonderter Beitrag von mir, zu etwas was mir diesen Sommer aufgefallen ist.
Immer wieder konnte man dieses Jahr hier am Alpenrand und in den Alpen beobachten, dass Gipfel mit Sendemasten für Digitalfernsehen-und Radio sowie sonstiger Sendeanlagen verstärkt von Blitzen getroffen wurden, die sich von den Sendemasten nach oben fortpflanzten.
Nun kann man natürlich sagen, die Sendemasten stehen am höchsten Punkt und haben eine besonders gute Erdung, eben um Blitze abzuleiten. Aber könnten nicht auch die Digitalsender selbst die Blitze anziehen?
Ich bin da Elektrotechnisch leider nicht genug bewandert, als dass ich dass beurteilen könnte, aber wer sich da auskennt der kann unten gerne einen sachlichen Kommentar zu diesem Thema hinterlassen.
Wer die Möglichkeit hat könnte dazu auch eine kleine Forschungsarbeit machen mit folgendem Aufbau:

Eine Teslaspule zum erzeugen eines künstlichen Blitzes, sowie einer kleinen Sendeanlage.
In einer Testreihe könnte man dann testen, ob der Sender Einfluss auf die Blitze hat, und wenn ja welche Frequenzen sich dazu besonders eignen.
Bin gespannt ob jemand von euch dazu sachliche Infos hat.

Hier als Beispiel mal ein Video von mir, dass ich diesen Sommer aufgenommen habe, und das Blitzeinschläge im Mangfallgebirge stark verlangsamt zeigt.
Dabei ist schön zu sehen, dass nur der Blitz vom Wendelsteingipfel mit seinem Sendemasten auf der Spitze von unten nach oben geht, wogegen alle anderen Blitze von oben nach unten gehen.



Hier noch einige beindruckende Blitzbilder dieses Sommers aus verschiedenen Quellen, die alle das gleiche Phänomen zeigen.


Bild
Videostandbild des Blitzeinschlages am Wendelstein.

Bild
Eines der schönsten Blitzbilder des Jahres das einen Blitzeinschlag in den Sendemasten am Kitzbüheler Horn zeigt. (Quelle Alpenverein)

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Doch es Sollte nicht der einzige Einschlag in das Kitbüheler Horn in dieser Nacht bleiben, wie diese Bilderserie von Damian Warmula aufgenommen bei Ebersberg eindrucksvoll zeigt.

Bild

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Blitzeinschlag in die Sendeanlagen am Dobratsch in Österreich. (Bildquelle: Florian Kröpfl)

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Weiterer Blitzeinschlag am Wendelstein.( Quelle Foto-Webcam.org)

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Und noch zwei Bilder von Blitzeinschlägen am Kitzbüheler Horn. Aufgenommen von der Webcam am Pendling. ( Foto-Webcam.eu)

Bild

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Noch ein Einschlag in eine Sendeanlage. (Leider habe ich keine Angabe zur Bildquelle und Einschlagsort)

Nun hoffe ich auf eine sachliche Diskussion zu diesem Thema, und wer noch weiter solcher Bilder hat darf sie gerne dranhängen!
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Re: Blitzeinschläge in Gipfel von Sendeanlagen getriggert ?

#2 Beitrag von wettersat » Dienstag 22. September 2015, 19:07

Verstehe ich deine Frage richtig? Was meinst du mit "Digitalsender selbst die Blitze anziehen"?
Meinst du damit die Sendeeinheit selbst? Die Sender(einheit) stehen im Gebäude, nur die Antennen sind auf dem Mast und der Blitz schlägt oben in die Spitze ein und nicht in die Antenne.

Hier in Salzburg auf dem Hausberg wo auch der Sender steht gab es vor fast 10 Jahren Blitzmessungen (Referenzmessungen zur Ortungsgenauigkeit, Stromstärken ....).
Wurden über die Fangdrähte eingefangen und abgeleitet zur Auswertung.
Hat so ausgesehen

Bild
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Re: Blitzeinschläge in Gipfel von Sendeanlagen getriggert ?

#3 Beitrag von da Mangfalltaler » Mittwoch 23. September 2015, 08:31

Ich meine damit, ob die Elektromagnetische Strahlung der Sender die Blitze beeinflussen können.
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Re: Blitzeinschläge in Gipfel von Sendeanlagen getriggert ?

#4 Beitrag von wettersat » Mittwoch 23. September 2015, 13:19

Ich sage mal Nein. Warum?
- im gesamte Raum hat man elektromagnetische Strahlung (angefangen von Langwellen über Kurzwelle, Mikrowelle bis hin zum Licht) . Auch dort wo keine Sendemasten stehen. D.h. die Strahlung ist nicht punktförmig sondern ist im Raum verteilt (zwar nicht homogen aber verteilt) und wohin soll dann der Blitz gezogen werden wenn es keinen Punkt gibt.
- an der Mastspitze, dort wo der Blitz einschlägt, die Strahlungsdichte noch am geringsten ist
- schwer zum Nachweisen ist da man deinen Test in einer Messkammer (Abschirmung) machen müsste
- zum Glück: ansonsten wäre jeder zusätzlich gefährdet der ein Handy bei sich trägt
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Re: Blitzeinschläge in Gipfel von Sendeanlagen getriggert ?

#5 Beitrag von SteHo » Mittwoch 23. September 2015, 18:23

Ich sage auch NEIN wenn es um den Einfluss der STRAHLUNG an sich geht, ich sage aber JA wenn um geometrische Überlegungen geht.

Ich habe derzeit gerade nicht sooo viel Zeit für eine ausführliche Antwort, aber die elektrische Feldstärke ist über kugelförmigen Oberflächen erhöht, nimmt sogar zu je kleiner der Radius der Kugel ist. Wenn man jetzt jede der "Spitzen" an der Sendeanlage (siehe voriges Foto) hernimmt, kann man die auch in guter Näherung als Kugel mit gewissem, sehr kleinen Radius sehen. Dies würde die Ionisation des Blitzkanals begünstigen und dadurch mehr Einschläge triggern als über einer flachen Oberfläche.

Wie gesagt: Das hat nix mit der ausgesendeten Strahlung des Sendemastens zu tun, sondern mehr mit der Geometrie!

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Re: Blitzeinschläge in Gipfel von Sendeanlagen getriggert ?

#6 Beitrag von da Mangfalltaler » Freitag 25. September 2015, 20:43

Danke! das ist ein interessanter Denkansatz mit den Elektrischen Feldern. Da die größeren Sendemasten an ihrer Spitze oft ähnlich wie der auf dem Bild ausschaut könnte das durchaus ein Auslöser für verstärkte Blitzeinschläge in solche Masten sein. Wenn sich nächstes Jahr wieder die Gelegenheit bieten sollte, werde ich versuchen weitere Einschläge auf Video festzuhalten.
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Re: Blitzeinschläge in Gipfel von Sendeanlagen getriggert ?

#7 Beitrag von wettersat » Freitag 25. September 2015, 21:50

das müssen nicht einmal dünne Fangstangen sein (die ja auch beim Blitzableiter am Hausdach so ausgeführt sind). Der Turm alleine wirkt in der Umgebung schon wie eine Nadel die aus dem Erdboden ragt (Höhe ist um einiges größer als der Durchmesser).
Dadurch werden die elekrischen Feldlinien bereits stark verbogen (um den Turm herum) und an der Turmspitze sind die elektr. Feldlinien starkt zusammengedrängt.
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Re: Blitzeinschläge in Gipfel von Sendeanlagen getriggert ?

#8 Beitrag von ManuelW4 » Samstag 26. September 2015, 01:04

wir hatten heuer eine führung am gaisberg bei salzburg, wo wir uns natürlich ausgiebig über dieses thema unterhalten haben - was ich auch sehr interessant finde (und offensichtlich noch nicht gänzlich erforscht ist): zwar sind die einschläge in solche türme eigentlich etwas ganz normales (bedingt durch die physikalischen prozesse) und auch die art entspricht meist einem aufwärtsblitz (zitat von ALDIS: Wie wir heute wissen, sind die überwiegende Mehrzahl der Blitze am Sender Gaisberg so genannte Aufwärtsblitze. Dabei trifft nicht, wie beim typischen Wolke-Erde- oder Abwärtsblitz, zufällig ein aus der Wolke kommender Leitblitz den Sendemast, sondern der Leitblitz startet an der Mastspitz und wächst in Richtung Gewitterwolke (aufwärts).), allerdings dürfte das ganze außerdem auch von der wetterlage abhängen. so werden nämlich besonders bei gewittern in eher kälterer luftmasse (winter, herbst) blitze vom turm getriggert, während im sommer bei kräftigen gewittern überhaupt nix passiert *ja* apropos ALDIS, deren seite kann ich dir empfehlen: http://www.aldis.at/forschung/blitzfors ... lgemeines/" onclick="window.open(this.href);return false;
- Mauerbach (Wienerwald, Bez. PL), 345 m
- Oberedlitz an der Thaya (nördl. Waldviertel, Bezirk WT), 485 m

>>http://www.wetter-waldviertel.at
>>https://www.facebook.com/WetterWaldviertel

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Re: Blitzeinschläge in Gipfel von Sendeanlagen getriggert ?

#9 Beitrag von da Mangfalltaler » Sonntag 27. September 2015, 13:28

Vielen dank für diesen Link! Der erklärt einiges! Jetzt bin ich wieder ein stück schlauer. *gg*
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