Meld mich mal wieder aus dem Urlaub. Die gestrige MTB-Tour fordert heute Ihren Tribut in Form eines Ruhetages. Die geschundenen Knochen lang machen, Pasta einpfeifen, Mittagsschlaf.
Unser (mein 16-Jähriger und ich) Ziel gestern war die Umrundung des Piz Umbrail. Dazu ließen wir uns mit einem Shuttle von Goldrain auf das Stilfser Joch bringen.
Von dort aus startend warteten insgesamt 87 km Distanz, 2.800 HM Downhill und ca. 700 HM Uphill auf uns. Hört sich easy an, isses aber nicht. Die große Höhe, die absolute Distanz und speziell die Abfahrt (S0 bis S1, teils S2) fordern ihren Tribut.
Zeit für die Tour: 9 Stunden
Reine Fahrzeit: ca. 6 Stunden
Bilder sind mit dem Apfelphon gemacht, daher etwas bescheidene Quali, ist aber leicht.

So gegen 8:15 waren wir oben am Stilfser Joch. Was für eine Ruhe, ungewöhnlich, kenne ich das Joch doch nur um die Mittagszeit und da ist da oben Volksfest.

Danach folgte eine kurze Abfahrt zum Umbrailpass auf 2.500 Meter Höhe, kalte Finger inklusive.

Beim Einstieg zum Traumtrail der uns zur Bochetta die Forcola (2760 m) bringen sollte: Tiefblick zur Stilfser Joch Straße nach Bormio.

Beim Uphill, fast alles fahrbar.

Mountainbikers Paradise

Der Ortler und seine Trabanten um die Thurwieserspitze von der Forcola

Top der Tour, Sprachgrenze, von da an gings weiter im Trentino.

Schnell zusammengeschustertes Pano
Größere Version
Hier oben tobte der Stellungskrieg, die Hinterlassenschafften sind allgegenwärtig, Bunker, Schützengräben, Geschützstellungen, Felskatakomben, Stacheldraht. Und die angelegten Versorgungssträßchen ermöglichen uns im Prinzip die Tour:



Dann ging es runter auf 1.940 Meter an die Stauseen Lago die Cancano, und Lago San Giacomo.
Ein paar Eindrücke von der Abfahrt, ca 95% für uns Semitechniker

Das täuscht ein wenig, an den schwierigeren Stellen hab ich nicht fotografiert.

Rückblick

Am Lago di Cancano.

Die italienschien Stauseen umgibt immer dieser morbide RostundgrüneFarbeAmbiente, wenn Ihr wisst was ich meine. Im Wasser die Reste der Baubaracken der Arbeiter.

Unbeleuchtete Tunneldurchfahrt an den Stauseen
Nach einer Rast mit den Pflichtpasta am Baita die San Giacomo (herrlich dort) ging es leicht bergab weiter ins Val die Mora zum Passo die Val Mora.
Dort beginnt ein leicht ansteigender Singletrail (S0 bis S1) für ca. 5 km entlang des Baches durch Kiefernwälder, Schuttreißen und Wiesen, ein einziger Traum für unsere Preisklasse, nur bergauf ein paar Meter nicht fahrbar, sonst "Flow" pur:


Ist dieses Teilstück geschafft (oder besser leider vorbei) stehen 300 eigentlich flache Höhenmeter auf Wiesen und Schotterpisten zum Döss Radond (2.240 m) an, gewürzt mit Steilstücken, die einem die letzten Körner rauben und nach dem Rentnerritzel verlangen. Hier sind wir schon wieder in der Schweiz.

Auf dem Schotterweg im endlos wirkenden Tal wird man von...

... grandiosen Landschaften begleitet.

Hinten ist die Passhöhe zu erahnen

Geschafft, von nun an gehts bergab.

Die Abfahrt nach Santa Maria ist verdammt steil, ab hier fällt es mit durchschnittlich 15-20 %
Der Rest ist schnell erzählt. In flotter Fahrt geht es durch das Münstertal hinab zur Grenze und gleich weiter auf dem Vinschgauradweg (Via Claudia) weitere 25 km bis hinab nach Latsch, bzw. Goldrain.
Diese letzten 25 km waren dann ein einziger Temporausch
Da blieb nur noch kurz vor Goldrain Zeit für ein Bild der Vinschger Äpfel:

Fazit: Grandiose Tour in grandioser Umgebung. Spass ist aber nur bei genügender Kondition und technischen Fähigkeiten auf dem MTB garantiert, S1 sollte beherrscht werden.

>
>