11.05.2009, Tornado bei Atzenbrugg (nahe Tulln)

Forumsregeln
Bitte jeden Thread mit Datum im Format DD.MM.YYYY und Ortsangabe der Aufnahmen versehen!
z.B. 25.03.2009 Miesenbach Böenfront
Antworten
Nachricht
Autor
Benutzeravatar
strolch
Beiträge: 4054
Registriert: Montag 16. März 2009, 08:58
Wohnort: Guntramsdorf
Kontaktdaten:

11.05.2009, Tornado bei Atzenbrugg (nahe Tulln)

#1 Beitrag von strolch » Mittwoch 13. Mai 2009, 08:35

Ein ganz herausragendes E-mail erreichte mich heute Vormittag

Gestern wurde von Herrn Franz Heuer ein wirklich außergewöhnlich schön entwikelter Tornado, während der ersten Unwetterzelle im Tullnerfeld fotografiert. Er und seine Kollegen der Firma Brucha GesMBH staunten über folgende Entwicklung, während des Gewitters. Uhrzeit: 16.30

Bild
Copyright: Franz Heuer, http://www.brucha.com" onclick="window.open(this.href);return false;


Der Tornado entwickelte sich an der Südflanke, des vorbeistreifenden Gewitters, die entsprechende Scherung ist auch am Radarbild sichtbar, der Niederschlag wird nach Norden abgedrängt (Zwentendorf - Altenwörth), das Aufwindfeld liegt im Süden der Zelle.

Bild
Copyright: Franz Heuer, http://www.brucha.com" onclick="window.open(this.href);return false;


Ich denke dieses herausragende Ereignis, erlaubt auch die Verwendung eines der abgespeicherten Austrocontrolradarbilder um die Entwicklugn deutlicher zu zeigen, klar sieht man am N/S - gerichteten Höhenschnitt, wie der Niederschlag aus der Zelle ausgewehnt wird, der Aufwindbereich ist vor / unter dem leicht schräg gestellten Niederschlagsbereich am Südrand der Zelle
Bild

3D Dopplerradarbild mit freundlicher Genehmigung der Austrocontrol
Bild
Copyright Austrocontrol


Hier eine Karte der Beobachtung, eingezeichnet der Blickwinkel von Standort der Firma, und die vermutete Distanz:

Bild
Copyright: Franz Heuer, http://www.brucha.com" onclick="window.open(this.href);return false;



Diese Zelle war also absolut ernst zu nehmen, auch wenn sie "harmloser" aussah, als ihr Nachfolger


PS.: Die Intensität des Staubwirbel lässt schon auf ein etwas signifikanteres Ereignis schließen, auch wenn es sich hier beinahe ausschließlich um baumarmes Grünland handelt, könnte irgendwer aus der Umgebugn vorbeischauen und nach auswertbaren Schadensspuren zur Einschätzung der Stärke suchen?


Schöne Grüße Herfried
*******************************************************************
lg Wolfgang / Guntramsdorf (193m), Bezirk Mödling, NÖ
Wetter Guntramsdorf
Die Strolche
*******************************************************************

Benutzeravatar
strolch
Beiträge: 4054
Registriert: Montag 16. März 2009, 08:58
Wohnort: Guntramsdorf
Kontaktdaten:

Re: 11.05.2009, Tornado bei Atzenbrugg (nahe Tulln)

#2 Beitrag von strolch » Donnerstag 14. Mai 2009, 08:46

So, retour von der Schadenssuche – Vorweggenommen, es gab keine sichtbaren Schäden! Und es lässt sich mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 95 % ausschließen, dass irgendwo welche aufgetreten wären, die wir übersehen hätten.

Mortimer und ich trafen sich mit Sabine (im Forum „Baerline“, die das Gebiet ja schon gestern abgesucht hatte) bei der Fa. Brucha. Es gibt dort noch einen Angestellten, der Fotos gemacht hatte, auch vom Auflösungsprozess - möglicherweise werden wir auch diese bekommen.
Lt. Aussagen der Angestellten muss von einer Dauer von rund knapp 1 Minute ausgegangen werden , dh. Bei einer geschätzten Geschwindigkeit der Zelle von rund 40 km/h (? – lt. Mortimer) wäre die Schneise maximal ca. 700 m lang, wobei nicht gesichert ist, dass sich der Tornado wirklich im selben Tempo wie die Zelle fortbewegt hatte.

Dann begannen wir mit der Schadenssuche am westlichen Ortsrand von Atzenbrugg, über den Schusterberg nördlich Ebersdorf, bis hin zum Pottschallkogel auf halbem Weg zwischen Hasendorf und Langmannersdorf, letzterer schon ca. 8,5 km vom Sichtungspunkt Fa. Brucha entfernt.
Der mögliche Touchdownbereich ließ sich aufgrund eines markanten Wald/Hainrandes (auf den Bildern von Hrn. Heuer am rechten Rand) und den Windrädern links linear sehr gut eingrenzen, insbesondere da man vom Höhenrücken westlich Atzenbrugg sehr gut auf Michelhausen und den neben der Fa. Brucha gelegenen Bahnhofssilo zurücksieht

Das Gebiet am Höhenrücken zwischen Atzenbrugg und der Straße Ebersdorf - Hasendorf ist sehr übersichtlich, bietet nach allen Richtungen gute Aussicht und ist nur von wenigen Baumhainen durchzogen (dort queren übrigens die beiden Stromleitungen – es sind 2). Es besteht durchwegs aus Ackerland mit frischen Austrieben, etwas Grün-Brachland und kaum Frühlingsgetreide, das schon höher steht.

Westlich der Straße Hasendorf – Ebersdorf ist das Gebiet etwas mehr mit kleineren Waldstücken durchsetzt, und etwas hügeliger, aber noch immer sehr übersichtlich. Der Wald besteht aus Mischwald mit einem auffälligen Kieferanteil. Auch dort konnten keine Schäden gefunden werden.
Insgesamt sind beide Teilgebiete sehr gut mit Wegen durchsetzt, durchschnittlich mit rund alle 500 Abstand.

Wir sind fast alle dieser Wege abgefahren bzw. abgegangen, tlw. auch auf 2 Autos aufgeteilt. Es muss somit ziemlich sicher davon ausgegangen werden, dass wir relativ nahe am Touchdownpunkt waren, auf der gesamten Länge der Strecke, und wir auch etwaige Schäden höchstwahrscheinlich nicht übersehen haben. Auch haben wir Anrainer, Jogger etc. befragt, die wir in diesem Gebiet angetroffen haben.

Den Aufnahmepunkt der Kurier-Fotos konnten wir auch identifizieren, er liegt knapp SW von Michelhausen und der Fa. Brucha.

Mortimer schätzt den Tornado aufgrund der nicht vorhandenen Schäden mit F0 ein - wenn er im Weideland zwischen Atzenbrugg und Ebersdorf-Hasendorf niedergegangen ist (mit kaum Bäumen, wofür auch die Staubwolke auf den Fotos spricht) evt. Auch F1.

Wir sind aufgrund der Breite des Tornados auf den Fotos von Hrn. Heuer ziemlich sicher, dass der Touchdown wirklich dort erfolgt ist, und nicht im westlicheren Teil. Denn je weiter hinten (im hügeligeren Wald-Wiesengebiet schon rund 6 km Luftlinie von der Fa. Brucha entfernt), desto größer wäre die Wahrscheinlichkeit für Schäden dort gewesen, da der Tornado dann auch breiter hätte sein müssen.

Anmerken muss man aber, dass die Schadenssuche in der Wiesen- und Gräser/Getreidevegetation durch das danach durchziehende Hagelgewitter nicht unbedingt erleichtert wurde ...

Hier noch eine Karte:

Bild

Erklärung:

rot = Standort Fa. Brucha + Richtung des Tornados lt. Fotos Fa. Brucha
gelb = Weide/Ackerland, übersichtlich, vermutliche Touchdownarea
grün = Auffälliger Baumhainrand am rechten Rand der Tornadofotos Fa. Brucha
graugrün = hügeligeres Wald/Wiesenland, ebenfalls durchsucht
blau = Windräder
schwarz = ungefährer Standpunkt des Fotografen der Kurier-Fotos.

Die Fotos aus Neulengbach wurden aus mehreren km Entfernung im Süden aufgenommen, nicht auf der Karte.
--
Liebe Grüße Nadja
*******************************************************************
lg Wolfgang / Guntramsdorf (193m), Bezirk Mödling, NÖ
Wetter Guntramsdorf
Die Strolche
*******************************************************************

Benutzeravatar
strolch
Beiträge: 4054
Registriert: Montag 16. März 2009, 08:58
Wohnort: Guntramsdorf
Kontaktdaten:

Re: 11.05.2009, Tornado bei Atzenbrugg (nahe Tulln)

#3 Beitrag von strolch » Donnerstag 14. Mai 2009, 11:05

Danke, Nadja, für die Zusammenstellung! War trotzdem wir nichts gefunden haben recht interessant, man lernt viel über Perspektiven und Blickwinkel nach unserer Recherche und den weiteren, aufgetauchten Fotos, kann man den Touch-Down des Tornados wahrscheinlich auf 500m im Radius lokalisieren. Ob er sich während seiner knapp 1min Lebensdauer entscheidend bewegt hat bleibt meines Erachtens fraglich, da die vorhandenen Fotos nur eine geringe Verlagerung andeuten - das würde, bei einer geschätzten Breite am Boden von ca. 100m, auch erklären, weshalb keine Schäden gefunden wurden - die Felder in dem Bereich sind wie bereits erwähnt größtenteils mit Jungwuchs versehen oder gänzlich unbewachsen.

Interessant wäre natürlich die Intensität des Tornados gewesen. Ohne gefundene Schäden kann man darüber natürlich keine gesicherte Aussage treffen, aufgrund der geringen Lebensdauer, der Ausprägung als landspout und der völligen Abwesenheit von Schäden (gab ja doch immer wieder ein paar Büsche in dem Bereich), würde ich den Tornado als F0 annehmen - was nicht ungewöhnlich wäre, statistisch betrachtet sind die meisten Tornados (übrigens auch in den USA!) nur schwache F0 bis F1 Tromben.

lg
--
Mortimer M. Müller

nadjap
Beiträge: 15300
Registriert: Samstag 14. März 2009, 22:54
Wohnort: Klosterneuburg-Scheiblingstein, Wienerwald, 489m

Re: 11.05.2009, Tornado bei Atzenbrugg (nahe Tulln)

#4 Beitrag von nadjap » Donnerstag 14. Mai 2009, 11:52

Auszug aus einem Fotobeitrag von MathiasF:

Ok, hier die restlichen Fotos von gestern, ich hoff es klappt jetzt mit der Wiedergabe.^^ Muss mich aber schon mal vorab entschuldigen für die Stromleitung in den Bildern.
Das erste Bild ist von 16 Uhr 05. Aus dem TCU Haufen kam dann ca 30 min später der Tornado!
Bild

20 min später bildet sich der Amboss aus
Bild

16 Uhr 35 unter einem kräftig rotierendem Aufwind dann der Tornado, ca 5-7 Km nördlich von Neulengbach
Bild

Bild

nach ca 3-4 min löste er sich wieder auf
Bild
Klosterneuburg-Scheiblingstein, 487 m (gemessen mit NÖGIS), Wienerwald, Bezirk Wien Umgebung


http://www.fotografie.at/galerie/nadjap
http://www.facebook.com/NadjaPohlPhotography

storm212

Re: 11.05.2009, Tornado bei Atzenbrugg (nahe Tulln)

#5 Beitrag von storm212 » Donnerstag 14. Mai 2009, 17:29

Also der Tornado is Meiner Meinung für Österreichische Verhältnisse wunderschön Ausgebildet ;) :)!
Gab es eigentlich schon so einen Schönen Tornado? :) *

Antworten