27.05.2026 Kräftige Multizellen mit Sturmböen im Südosten (Chasingauftakt 2026)
Verfasst: Donnerstag 28. Mai 2026, 12:36
Hallo!
Am 27.05.2026 stand eine sehr spannende Gewitterlage an, die zugleich meinen Chasing-Auftakt der Saison 2026 markierte. Recht kurzfristig ergab sich überraschend doch noch die Möglichkeit, an diesem Mittwoch zu einem Chasing aufzubrechen. Aufgrund des Timings – die Modelle prognostizierten die Gewitter im Südosten zwischen 14:00 und 15:00 Uhr – musste ich leider alleine losfahren. Georg Pistotnik reiste von Wien aus mit dem Bus nach Güssing, um dort Spotting zu betreiben.
Wetterlage:
Nachdem in den vergangenen Tagen warme und energiereiche Luftmassen nach Österreich geführt worden waren, lagen die CAPE-Werte entsprechend hoch. Eine schwache Störung aus Nordwesten sorgte für die benötigten Hebungseffekte sowie für zusätzliche Windscherung. Diese war in der Höhe durchaus stark, während die Low-Level-Scherung (LLS) jedoch nicht besonders ausgeprägt war. Beachtenswert war zudem eine kräftige Dryline (Taupunkte vor der Störung bei 14–16 °C, dahinter bei 7–9 °C), was insbesondere kräftige Windböen begünstigte.
Entsprechend fielen die Vorhersagen aus:

Skywarn-Forecast von Gerald:

Die Höhenströmung sorgte dabei für derart hohe Zuggeschwindigkeiten, dass es mir nicht mehr gelang, die Vorderseite der Gewitter zu erreichen…
Gegen 13:15 Uhr musste ich auf der A2 auf Höhe Laßnitzhöhe einen ersten Core Punch absolvieren – begleitet von Starkregen und leichten Windböen –, um weiter nach Osten und anschließend über das Raabtal nach Südosten vorzustoßen. Die vorlaufende Zelle befand sich zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits weit im Südosten:

Bildquelle: Kachelmannwetter.at (https://kachelmannwetter.com/at/stormtr ... 1110z.html)
Gegen 13:30 Uhr erreichte ich Studenzen mit Blick auf die Zelle im Osten von Feldbach. Der Aufwindturm war stark ausgebildet, eine Multizelle hat sich gebildet:


Bildquelle: Kachelmannwetter.at (https://kachelmannwetter.com/at/stormtr ... 1130z.html)
Ich fuhr über die B66 in Richtung Bad Radkersburg. Zwischen Straden und Halbenrain wurde ich jedoch von einer neuen Zelle, die sich weiter westlich gebildet hatte, regelrecht geschluckt. Ein Vordringen auf die Vorderseite war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.
Die Zelle brachte jedoch einen eindrucksvollen Microburst mit sich: Es gab kräftige Sturmböen sowie Hagel mit Korngrößen von bis zu 2–3 cm – glücklicherweise ohne Schäden am Auto. Bei Hof bei Straden stürzte direkt vor mir ein großer Baum um, fiel jedoch zum Glück von der Straße weg in ein angrenzendes Feld.
Georg konnte in der Zwischenzeit in Güssing (BGLD) sowohl die erste als auch die zweite Gewitterwelle gut dokumentieren. Dankenswerterweise stellte er mir die Bilder zur Verfügung:





Bildquelle: Georg Pistotnik (ESTOFEX, GSA)
Ich konnte den Abzug der zweiten Welle in Richtung Ungarn noch beobachten, allerdings waren die Strukturen eher überschaubar. Dafür präsentierten sich die Quellwolken umso eindrucksvoller. Ebenso eindrucksvoll – leider im negativen Sinne – waren die entstandenen Schäden: Sowohl in der Südoststeiermark als auch in großen Teilen Sloweniens hinterließen die Zellen deutliche Starkregen-, Hagel- und vor allem Sturmschäden.
Leider waren die Windschäden bei einer derart stark ausgeprägten Dryline nicht sonderlich überraschend. Hier einige Schadensbilder:
https://steiermark.orf.at/stories/3356015/
https://burgenland.orf.at/stories/3356003/
https://kaernten.orf.at/stories/3355980/
https://www.kleinezeitung.at/artikel/2 ... daecher-ab
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Am 27.05.2026 stand eine sehr spannende Gewitterlage an, die zugleich meinen Chasing-Auftakt der Saison 2026 markierte. Recht kurzfristig ergab sich überraschend doch noch die Möglichkeit, an diesem Mittwoch zu einem Chasing aufzubrechen. Aufgrund des Timings – die Modelle prognostizierten die Gewitter im Südosten zwischen 14:00 und 15:00 Uhr – musste ich leider alleine losfahren. Georg Pistotnik reiste von Wien aus mit dem Bus nach Güssing, um dort Spotting zu betreiben.
Wetterlage:
Nachdem in den vergangenen Tagen warme und energiereiche Luftmassen nach Österreich geführt worden waren, lagen die CAPE-Werte entsprechend hoch. Eine schwache Störung aus Nordwesten sorgte für die benötigten Hebungseffekte sowie für zusätzliche Windscherung. Diese war in der Höhe durchaus stark, während die Low-Level-Scherung (LLS) jedoch nicht besonders ausgeprägt war. Beachtenswert war zudem eine kräftige Dryline (Taupunkte vor der Störung bei 14–16 °C, dahinter bei 7–9 °C), was insbesondere kräftige Windböen begünstigte.
Entsprechend fielen die Vorhersagen aus:

A level 2 was issued for NE Italy and W Slovenia mainly for large hail, severe wind gusts and heavy rainfall.
A level 1 was issued for NE Italy, Slovenia, S Austria, N Croatia mainly for large hail, severe wind gusts and heavy rainfall.
Quelle: ESTOFEX (https://www.estofex.org/)... the Alps and their S flanks ...
In prevailing N-ly flow, storms are forecast to initiate across the main Alpine ridge and then propagate towards the lowlands. Environment will be characterized by specific humidity of 12 to 14 g/kg across N Italy and around 10 g/kg across Slovenia and Croatia, combined with 7 to 7.5 K/km lapse rates. MLCAPE values will reach 1 to 3 kJ/kg, overlapping with 10 to 15 m/s of 0-6 km vertical wind shear. The shear may be locally enhanced if stronger southerly upslope winds form compared to the model expectations. A mix of multicell clusters and transient/marginal supercells is forecast with threats of large hail and severe wind gusts. The risk of severe wind gust will increase towards Slovenia and Croatia, where higher LCLs are forecast, the risk of hail around 5 cm in diameter will be present especially in lvl 2, where the ICON D2 EPS simulates the highest risk of marginal supercells. Heavy rainfall is most likely in the early period with storms development anchoring at first to the local terrain. Further development will be dictated by the movement of outflow boundaries and storms may even reach Bosnia in the evening.
Skywarn-Forecast von Gerald:

Ich brach gegen 12:30 Uhr von Pernegg an der Mur auf – genau zu diesem Zeitpunkt zog hier ein kleiner Regenschauer durch. Dieser sollte sich auf dem Weg nach Süd-Südost jedoch massiv verstärken und in der Südoststeiermark zu kräftigen Unwetterzellen heranwachsen, während ich dauerhaft auf deren Rückseite blieb.Warnstufe Orange (2/4): Ab der Mittagszeit bilden sich teils kräftige Gewitter, die bis zum späten Nachmittag, vereinzelt bis zum Abend anhalten können. Diese verlagern sich mit hoher Zuggeschwindigkeit südostwärts. Aufgrund dieser hohen Zuggeschwindigkeit dürfte der Starkregen kaum für Probleme sorgen. Die Hauptgefahren sind somit Hagel zwischen 1 und 3 cm (lokal eventuell bis 4 cm) und Sturmböen zwischen 60 und 90 km/h (vereinzelt auch mehr).
Die Höhenströmung sorgte dabei für derart hohe Zuggeschwindigkeiten, dass es mir nicht mehr gelang, die Vorderseite der Gewitter zu erreichen…
Gegen 13:15 Uhr musste ich auf der A2 auf Höhe Laßnitzhöhe einen ersten Core Punch absolvieren – begleitet von Starkregen und leichten Windböen –, um weiter nach Osten und anschließend über das Raabtal nach Südosten vorzustoßen. Die vorlaufende Zelle befand sich zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits weit im Südosten:

Bildquelle: Kachelmannwetter.at (https://kachelmannwetter.com/at/stormtr ... 1110z.html)
Gegen 13:30 Uhr erreichte ich Studenzen mit Blick auf die Zelle im Osten von Feldbach. Der Aufwindturm war stark ausgebildet, eine Multizelle hat sich gebildet:


Bildquelle: Kachelmannwetter.at (https://kachelmannwetter.com/at/stormtr ... 1130z.html)
Ich fuhr über die B66 in Richtung Bad Radkersburg. Zwischen Straden und Halbenrain wurde ich jedoch von einer neuen Zelle, die sich weiter westlich gebildet hatte, regelrecht geschluckt. Ein Vordringen auf die Vorderseite war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.
Die Zelle brachte jedoch einen eindrucksvollen Microburst mit sich: Es gab kräftige Sturmböen sowie Hagel mit Korngrößen von bis zu 2–3 cm – glücklicherweise ohne Schäden am Auto. Bei Hof bei Straden stürzte direkt vor mir ein großer Baum um, fiel jedoch zum Glück von der Straße weg in ein angrenzendes Feld.
Georg konnte in der Zwischenzeit in Güssing (BGLD) sowohl die erste als auch die zweite Gewitterwelle gut dokumentieren. Dankenswerterweise stellte er mir die Bilder zur Verfügung:





Bildquelle: Georg Pistotnik (ESTOFEX, GSA)
Ich konnte den Abzug der zweiten Welle in Richtung Ungarn noch beobachten, allerdings waren die Strukturen eher überschaubar. Dafür präsentierten sich die Quellwolken umso eindrucksvoller. Ebenso eindrucksvoll – leider im negativen Sinne – waren die entstandenen Schäden: Sowohl in der Südoststeiermark als auch in großen Teilen Sloweniens hinterließen die Zellen deutliche Starkregen-, Hagel- und vor allem Sturmschäden.
Leider waren die Windschäden bei einer derart stark ausgeprägten Dryline nicht sonderlich überraschend. Hier einige Schadensbilder:
https://steiermark.orf.at/stories/3356015/
https://burgenland.orf.at/stories/3356003/
https://kaernten.orf.at/stories/3355980/
https://www.kleinezeitung.at/artikel/2 ... daecher-ab
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