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Unwetter in Österreich

Hier haben wir für euch alle Unwettergebiete und deren jeweilige Eigenschaften zusammengefasst. Auch findet ihr hier genauere Infos über das Auftreten einzelner Unwetterarten zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten, sowie Extremwetterwerte aus Österreich.

Hagelunwetter

In den Sommermonaten kommt es in Österreich häufig zu heftigen Gewittern mit Begleiterscheinungen wie Hagel.
Dabei entstehen hierzulande nicht nur häufig an Autodächern und bei Fensterscheiben und Fassaden bei Häusern Schäden, auch für die Landwirtschaft und Vegetation bedeutet dies meist großen Schaden.

Österreich liegt genau im geographischen Hagelepizentrum Europas -großer Hagel über 3cm Durchmesser fällt meist aus sogenannten Superzellen. In Extremfällen können einzelne Hagelkörner auch bei uns in Österreich bis rund 8cm Durchmesser, Hagelkonglomerate (Zusammenschluss mehrerer Schlossen) über 10cm erreichen.

Jährlich gibt es Dutzende Fälle, bei denen der Hagel >2cm erreicht Jedes Jahr kommen zudem etwa zehn Mal zerstörerische Hageldurchmesser von über 4cm vor (fallen praktisch nur noch aus Superzellen).

Allein im Jahr 2004 (Rekordjahr) betrug der gesamte durch Hagelschlag verursachte Schaden in Österreich weit über 20 Millionen Euro. Meist treten Hagelunwetter bei uns im Juni und Juli auf, im Sommer am ehesten zwischen 15 und 22 Uhr.

 

Sturm & Gewitterfallböen

"Sturm" ist ein recht häufiges Ereignis in Mitteleuropa. Deshalb scheinen solche Ereignisse auch nicht in unserer Statistik auf. Interessant wird es aber der Schwelle zum "orkanartigen Sturm" (103km/h), entscheidend sind aber alle Ereignisse die Orkanstärke erreichen.

Windgeschwindigkeiten über 118km/h treten vorwiegend im Zuge von Sturm- bzw. Orkantiefs auf, die vom Atlantik kommend über Nord- und Mitteleuropa ziehen. Die heftigsten nicht-konvektiven Sturmstärken wurden durch solche (durch ihre oft sehr rasche Vertiefung mit "rapid cyclogenesis" bezeichnet) Randtiefs ausgelöst (man denke z.B. an "Lothar" 1999).

Eine weitere Möglichkeit wie Orkanwinde zustande kommen können, ist durch eine massive Föhnlage die präfrontal bei enger Isobarendrängung, Trog im Westen sowie Keil im Osten, entsteht. Der warme Fallwind kann dabei durch Täler noch zusätzlich kanalisiert werden und Windspitzen über 150km/h erreichen (was dann auch über den maximalen im Flachland registrierten Windspitzen liegt).

Gewitterfallböen, oder Downbursts genannt, treten im Zuge von heftigen Gewitterzellen auf. Rund ein Dutzend solcher Gewitterfallböen erreichen jährlich Orkanstärke und richten zahlreiche Schäden an. Die meisten Gewitterfallböen ereignen sich zwischen 16 und 20 Uhr (Sommerzeit).

 

Tornados

In Österreich gibt es rund 6 bis 8 Tornados pro Jahr, mit einer doch relativ hohen Dunkelziffer an F0 Tornados kann man davon ausgehen, dass es eventuell sogar bis zu 10 sind.

Die meisten Tornados sind nur schwach (also F0 oder F1), alle ein bis zwei Jahre gibt es aber auch Fälle von F2 Tornados, alle fünf bis zehn Jahre tritt ein F3 auf.

Der heftigste Tornado bisher ereignete sich im Juli 1916 in Wr. Neustadt - traurige Bilanz: 32 Tote, hunderte Verletzte. Mit Abstand am meisten Tornados treten in der Südost-Steiermark auf, gefolgt vom westlichen Oberösterreich, dem Wiener Becken, westlichen Weinviertel bis zum Tullner Feld, Inntal, Südkärnten und der Bodenseeregion.

 

Überschwemmungen und Blitzfluten

Starker Regen ist keine Seltenheit. Ebenso Lagen, die zu kleinräumigen Überschwemmungen führen. Großflächige Überflutungen sind aber in jedem Fall die Ausnahme (wie im August 2002).

Die häufigsten Wetterlagen, bei denen es zu starkem Regen kommt, sind vergleichbar mit den Lagen, die im Winter besonders große Neuschneemengen bringen. Dies wäre also für den "reinen" Osten ein knapp östlich vorbeiziehendes Balkantief, für den Osten und Südosten das Adriatief, den Süden das Genuatief, den Norden und Westen die Trogstaulage, sowie für weite Teile Österreichs das Vb -Tief.

Starker Regen kann je nach Intensität und Dauer besonders bei Sachgütern schwere Schäden anrichten - Überschwemmungen und weitreichende Überflutungen können auftreten, ganze Landstriche unter Wasser stehen. Gebäude und Fahrzeuge werden unter Wasser gesetzt, Ernten vernichtet.

Blitzfluten entstehen vorwiegend im Zuge von heftigen Gewittern (oft, aber nicht immer, stationären Superzellen), da nur konvektive Ereignisse in derart kurzer Zeit solch enorme Niederschlagsmengen hervorbringen können. Durch den plötzlichen, intensiven Regen oder Hagelschlag können kleine Rinnsale innerhalb von Sekunden bzw. in Form einer Flutwelle zu reißenden Wildbächen werden und damit nicht nur Hab und Gut, sondern auch Leib und Leben bedrohen. Die größte Gefahr besteht dann dabei klarerweise im Gebirge bzw. Hügelland, wo die Wassermassen rasch weitergeleitet werden. Hier betroffen sind insbesondere das Alpenvorland, das Joglland, die Bucklige Welt in Niederösterreich und zahlreiche andere Regionen.

 

 

Superzellen

Regionen in denen Superzellen häufiger vorkommen: Oberösterreich, oft von Bayern hereinziehende Zellen, vom mittleren Waldviertel über das Tullner Becken, Wien, Wiener Becken bis ins Nordburgenland; die gesamte Südost-Steiermark einschließlich dem Südburgenland (hier ein regionales, österreichisches Maximum), sowie das Klagenfurter Becken und Umgebung; "Ausreißer" gibt es aber auch um Innsbruck sowie in der Bodenseeregion.

Knapp 90% der Superzellen erzeugten extreme Wettererscheinungen, in den Jahren 2003 bis 2005 waren es zum Beispiel rund drei Dutzend Superzellen welche für folgende Unwetterereignisse verantwortlich waren: dutzende schwere Gewitterfallböen, mehr als dreißig heftige Überflutungen, über 75 Mal Hagel größer 2cm, davon über 20 Fälle >4cm, sowie etwa 15 Tornados, der gesamte durch Superzellen angerichtete Schaden in diesen drei Jahren betrug mindestens 150 Millionen Euro (!)

Rund 2000-3000 Gewitter pro Jahr (abgeschätzt anhand vorhandener Radarkarten, tatsächliche Anzahl könnte auch noch höher liegen), davon etwa 50 Superzellen sowie zahlreiche, kurzlebige Mesozyklone. Dies würde in den Spitzenmonaten Mai bis August etwa eine Superzelle alle zwei bis drei Tage bedeuten (in der Realität tritt eher eine Häufung an besonders geeigneten Gewittertagen auf).

Mindestens 35 Superzellen im Jahr erzeugen extreme Wettererscheinungen (Hagel >2cm und/oder schweren Sturm >90km/h und/oder Tornados). Etwa 20 Superzellen leben unter einer Stunde, können in dieser Zeit aber dennoch sehr heftig ausfallen.

Vermutlich gibt es rund zwei bis drei Dutzend schwere Downbursts (ab dem oberen Ende von F0/T1, also Orkanstärke) jährlich (bezogen auf alle Gewitter, also auch Squall Lines, Einzel- und Multizellen), davon werden wahrscheinlich deutlich mehr als die Hälfte von Superzellen hervorgebracht.

Mehr als zwei Drittel aller Superzellen pro Jahr führen Hagel über 2cm mit sich, einige Male davon (etwa zehn Fälle) Hagel >4cm, ein bis zweimal jährlich Riesenhagel (bis 10cm Durchmesser).

 

Schnee, Glatteis, Lawinen und Co

"Eisregen" und "gefrierender Regen" sind vom Prinzip her nicht dasselbe, werden aber oft als Synonyme verwendet, da sie auf ähnliche meteorologische Grundlagen beruhen.
 
Als Entstehungsursache gilt in den meisten Fällen eine dünne, kalte (im Frostbereich, oder zumindest nahe 0°C) Bodenschicht unter einer wärmeren Schicht in etwa 1000 bis 1500m Höhe. Niederschlag in Form von Schnee fällt durch eine mindestens 300m durchmessende positive Schicht und taut dabei zu Regen. Am Boden lagern aber wie erwähnt noch frostige Luftmassen - die durch die kalte Umgebungstemperatur unterkühlten Wassertropfen gefrieren sofort bei Kontakt mit festen Körpern → es kommt zu gefrierendem Regen.
 
Ähnlich die Entstehung von Eisregen, auch hier ist eine kalte Bodenschicht und warme Mittelschicht vorhanden. Allerdings ist hierbei entweder die positive Schicht zu geringmächtig um die Schneeflocken völlig zu schmelzen → die restlichen, vorhandenen Eiskristalle bewirken ein Festfrieren der Wasserpartikel, sobald die kalte Bodenschicht erreicht wird;
 
oder aber die bodennahe Frostschicht hat eine besonders große Ausdehnung und führt zur Bildung von Eiskörnern noch vor Bodenkontakt → es "regnet" Eiskörner

Die häufigsten Wetterlagen, bei denen Eis- bzw. gefrierender Regen auftreten, sind vor einem warmaktiven Frontensystem, wobei bodennah - etwa durch vorangegangene KLA - Kaltluft vorherrscht, oder nach langer winterlichen Hochdrucklage, die zu einer ausgeprägten Inversion geführt hat, und mit Ankunft einer (zumeist Warm-) Front nicht sogleich ausgeräumt werden kann.

Eis- bzw. gefrierender Regen sind eine besonders große Gefahr im Straßen- und Flugverkehr sowie für Fußgänger, da sie den Boden innerhalb von Sekunden in eine spiegelglatte Eisfläche verwandeln können bzw. auf Flugzeugtragflächen rasend schnell eine ständig wachsende und schwerer werdende Eiskruste entstehen lassen. Jedes Jahr kommt es leider, trotz immer besserer Prognosemodelle, zu überraschenden Fällen von gefrierendem Regen, die dann auch Ursache von zahlreichen Unfälle und Verkehrsbehinderungen sind.

Grundsätzlich kommt es zu Schneefall, wenn die Temperaturen bodennah unter oder zumindest nahe 0°C liegen - Ausnahmen sind etwa bei einer warmen Mittelschicht (kann statt Schnee zu gefrierendem Regen führen → Näheres unter der Rubrik "Eisregen"), oder bei konvektiven Ereignissen, wo es auch bei Temperaturen deutlich über 0°C bis ganz herunter Schnee geben kann.
 
Schnee kann trocken (d.h. ohne flüssigem Wasseranteil = Pulverschnee → bei sehr tiefen Temperaturen) oder feucht (oft schon "angetaut" - bei Temperaturen nahe oder um 0°C) sein. Die Schneemengen sind zumeist proportional zur Temperatur → je kälter es ist, desto größer die Schneemenge bei gleichen Niederschlagsmengen (möglich ist das etwa 30fache des Niederschlags in Millimetern - also bei 5mm können es bis zu 15cm Pulverschnee sein).

Die häufigsten Wetterlagen, bei denen es zu starkem Schneefall kommt, sind vergleichbar mit den Lagen, die im Sommer besonders große Niederschlagssummen bringen. Dies wäre also für den Osten ein östlich vorbei ziehendes Balkantief, für den Osten und Südosten das Adriatief, den Süden das Genuatief, den Norden und Westen die Trogstaulage, sowie für weite Teile Österreichs das Vb -Tief.

Starker Schneefall bringt die verschiedensten Gefahren mit sich - von weitreichenden Verkehrs-behinderungen über Lawinenabgänge, Schneeverwehungen bei Sturm, bis hin zu Hochwasser bei Tauwetter. Grundsätzlich kann dabei gesagt werden, dass die Gefahr von Lawinen in erster Linie für den Alpenraum gelten, während Schneeverwehungen vorwiegend im Flachland auftreten.

Noch ein paar Sätze zu Lawinen:

Großer Neuschneezuwachs sowie starke Windverfrachtungen unterstützen den Abgang von Lawinen. Dabei sind bei vorwiegend Pulverschneeauflage v.a. Lockerschneelawinen zu erwarten, bei teils gefestigtem Grund eher die sogenannten "Schneebretter". Grundsätzlich gilt: je mehr Schnee in je weniger Stunden bei je stärkerem Wind fällt, desto größer die Lawinengefahr (die Gefahrenstufen gehen von 1 bis 5, wobei fünf die höchste Warnstufe ist). Immer wieder kommt es in Österreich zu katastrophalen Lawinenabgängen, jedes Jahr sterben zahlreiche Skifahrer und Tourengeher unter Lawinen. Viele inneralpine Ortschaften sind bei großer Lawinengefahr potenziell gefährdet und wie Galtür 1999 beweist, kommt es leider auch manchmal zu überraschenden und verheerenden Ereignissen.

Die nun folgende Aufstellung kann nicht als vollständig betrachtet werden und behandelt zudem mangels Daten nur Ereignisse der vergangenen 50 Jahre. Ab 2004 wird eine gesonderte, ausführlichere und jährliche Statistik geführt.

 

WETTEREXTREME IN ÖSTERREICH

Temperatur

Maximaltemperatur: +39,7°C am 27. Juli 1983 in Dellach im Drautal (Kärnten)
Minimaltemperatur: -37,2°C am 01. Jänner 1905 am Sonnblick
Minimaltemperatur am Boden: -36,6°C am 11. Februar 1929 im Stift Zwettl (Niederösterreich)
Kältester Winter der Neuzeit: 1928/1929 (Beginn der Messungen 1767)
Wärmster Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen: 2003

[Anm.: in einer Felsdoline namens "Grünloch" auf rund 1200m Höhe, nahe Lunz/See, wurden im Winter bei Schneelage absolute Minimaltemperaturen von unter -50°C (!) registriert (ungehinderte Abkühlung auf oberen Troposphären-Level)]

Sturm

Spitzenböe im Flachland: 147km/h am 27. Februar 1990 in Hörsching (Oberösterreich) ("Vivian")
Spitzenböe bei Föhnlage: rd. 180km/h Böen vom 13. bis 15. November 2002 in Teilen von Tirol und Salzburg
Spitzenböe im Flachland des Osten: 139km/h am 18. Februar 1946, gemessen auf der Hohen Warte in Wien

[Anm.: absolute Maxböe in Österreich wurde vermutlich im Zuge des starken F3 Tornados am 10. Juli 1916 in Wr. Neustadt (Niederösterreich) erreicht; die Abschätzung der Schäden durch torDACH Spezialisten ergab wahrscheinliche Spitzenböen knapp über 300km/h]

Niederschlag

Höchster je gemessener Tagesniederschlag: 650l/m² am 10. August 1915 in Schaueregg am Wechsel (Grenzregion Niederösterreich/Steiermark)
Im August des Jahres 2002 wurden mancherorts (besonders im Wald-/Mühlviertel) neue Rekordmengen für Tagesniederschlagssummen erreicht, das folgende Hochwasser wird für die Donau als 50jähriges Ereignis eingeschätzt, für manche Regionen aber auch als etwa 100jähriges.

Schnee

Größte Schneemenge in Tallagen: 363 cm am 30. Jänner 1917 in Kornat (Kärnten)
Größte Schneemenge überhaupt: 1190cm am 09. Mai 1944 am Sonnblick
Größte Tagesneuschneemenge: 170cm am 31. Jänner 1986 in Sillian, Osttirol
Schlimmstes Lawinenkatastrophen der letzten 100 Jahre: Jänner 1951 - in Österreich sterben bei 37 Lawinenabgängen 135 Menschen, 79 Häuser werden zerstört, zahlreiche schwere Schneebruchschäden treten auf // 10. & 11. Jänner 1954 - zahlreiche schwere Lawinenabgänge, besonders in Kärnten, Tirol und Osttirol, mit Dutzenden von Toten
Größte Schneekatastrophe im Flachland des Osten Österreichs (letzten 50 Jahre): vermutlich 05. bis 09. Dezember 1969, 45cm Schneelage in Wien, blizzardartige Zustände, meterhohe Schneewechten

Trockenheit

Größte Trockenperiode der letzten Jahrzente: Februar bis Juli 1968 - gewaltige Ernteausfälle und zahlreiche Hitzetote sind die Folge
Im Jahr 2003 gab es im Osten Österreichs von Januar bis August eine der längsten und ausgeprägtesten Trockenperioden - sie führt besonders im Südosten zu großen Ernteausfällen

Hagel

Hagelunwetter gibt es jedes Jahr, wobei Hageldurchmesser über 5cm als "extremes", wenn auch gar nicht so seltenes Ereignis eingestuft werden können (~ 10mal/Jahr).
Nur eines von vielen Beispielen: Am 03. Juli 2000 erreichten die Hagelkonglomerate in einem Hagelstrich von Saalfelden bis Hartberg Größen um 10cm, einzelne Schlossen erreichten Tennisballgröße (also etwa 8cm)


Daten entnommen den statistischen Aufzeichnungen der Unwetterstatistik Österreich, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien, sowie TorDACH Österreich

 
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