Sandtromben
Jeder kennt sie: kleine Windhosen über trockenen, meist sandigen Böden, die Staub und Blätter hochwirbeln, sich um die eigene Achse drehen, kaum einen Meter breit, nur zwei, drei Meter hoch sind und nach wenigen Sekunden wieder verschwinden. Es sind dies
- die klassischen "Dustdevils"
Durch die rasche Anhebung der Warmluft wird im Zentrum ein Unterdruck erzeugt und die umgebenen Luftmassen versuchen dies auszugleichen, indem sie seitlich in den Wirbel einfließen.
Durch den bekannten "Eisläufereffekt" verengt sich der Wirbel und bildet somit den eigentlichen, rotierenden Staubteufel. In dem Moment, wenn ein Druckausgleich zwischen der Außenluft und dem Inneren des Wirbels stattfindet, fällt die Kleintrombe in sich zusammen, was bei Staubteufeln meistens schon nach weniger als einer Minute der Fall ist.
Sandtromben sind nun im Prinzip genau das gleiche - was sie von den normalen "Dustdevils" unterscheidet, ist ihre Mächtigkeit; dabei verläuft der Übergang fließend, es ist schwer zu sagen, wann aus einem Staubteufel eine Sandtrombe wird (wobei ich dazu sagen muss, dass der Begriff "Sandtrombe" nicht allgemein üblich ist, sondern von mir gewählt wurde, um eine zusätzliche Unterscheidung bei dieser Art der Kleintromben einzuführen).
Der Einfachheit halber will ich den Begriff "Sandtrombe" für all jene Staubwirbel verwenden, die mehrere der folgenden Merkmale besitzen:
- Windgeschwindigkeiten von über 80 km/h
- eine sichtbare Höhe von >30 Metern
- Undurchsichtigkeit zumindest in den unteren ein bis zwei Metern des Wirbels
- Zugrichtung gegen die Windrichtung
Allerdings ist ein wichtiger Faktor bei der Klassifizierung der Sandtrombe der Untergrund - ist er sehr sandig und locker, kann auch ein schwacher Wirbel eine anscheinend hohe Intensität (Höhe, Sichtbarkeit) erreichen. Solche lokalen Begebenheiten sollte man genau studieren um zu einem halbwegs sicheren Ergebnis kommen zu können.
Sandtromben können eine Lebensdauer von bis zu einigen Dutzend Minuten besitzen (Fälle von Sandtromben, die über 30 Minuten am Leben blieben, sind bekannt), meistens schwankt ihre Wirkungsdauer aber zwischen fünf und zehn Minuten.
Außerdem vermögen kräftige Sandtromben über bewaldetes oder verbautes Gebiet zu ziehen, ohne sich aufzulösen, da sie durch einen kräftigen Sog zu genügend Warmluftnachschub kommen.
Im unteren Teil ist er zudem absolut undurchsichtig, beides Anzeichen einer hohen Intensität. Vermutlich wurden hierbei auch die erwähnten 80km/h überschritten! Bei Sandtromben sind bereits Windgeschwindigkeiten von über 150 km/h gemessen worden, 200 km/h erscheinen durchaus realistisch.
Somit können Sandtromben im Extremfall lebensbedrohend sein, schwere Gegenstände durch die Luft schleudern und Häuser beschädigen.
Meistens aber bietet sich die Gelegenheit, sich relativ gefahrlos in die Bahn einer Sandtrombe zu stellen (auf eigene Gefahr!) und einige spannende Sekunden zu erleben, wenn die Kleintrombe vorüberzieht.
Aber Achtung! Je kompakter der Wirbel und je höher er reicht, desto intensiver ist er unter normalen Umständen auch! Will man sich in eine Sandtrombe (oder auch nur normalen Staubteufel) begeben - niemals ohne Augenschutz!
Sandtromben können ab etwa 20°C entstehen - ideal wird es um 30° - bevorzugt auf sandigen, oder nur schwach bewachsenen Flächen in der Ebene (geradezu perfekt sind die im Spätsommer gepflügten und glattgestrichenen Felder!) Ein weiteres wichtiges Kriterium ist eine möglichst absolute Windstille - manchmal werden aber besonders kräftige Wirbel durch kurze Windböen ausgelöst, die eine Zeitspanne von relativer Windstille unterbrechen - dann kann es auch zu mehreren Staubteufeln bzw. Sandtromben gleichzeitig kommen, die gelegentlich in einer Art Linie, meistens aber völlig verstreut vorbeiziehen.
Die meisten Sandtromben gibt es verständlicherweise in den Wüsten- und Halbwüstengebieten der Erde.
Aber auch bei uns können sie auftreten! Selber konnte ich schon einige beobachten und in der torDACH Datenbank von Alois Holzer ist ein Fall aus Rust beim Neusiedlersee vermerkt, wo die Sandtrombe selbst schwere Liegebetten durch die Gegend schleuderte!
Zudem könnten Sandtromben auch bei der Superzellen- bzw. Tornadoentstehung eine Rolle spielen, vor allem wenn ein solcher Wirbel in das Aufwindgebiet eines Gewitters gerät und damit eine Rotation anregt.
Schon oft stand ich stundenlang in der ärgsten Hitze eines Hochsommertages auf einem Feld, ohne auch nur den kleinsten Staubwirbel ausmachen zu können, und dann tobten wieder mehrere Sandtromben und Staubteufel gleichzeitig! Auf jeden Fall sind sie faszinierende Phänomene, deshalb stehen auch jeden Sommer einige "Sandtromben"-Chasings am Programm!
mm - Skywarn Austria
In Ermangelung von wirklich guten Staubteufel- und Sandtromben
Aufnahmen, habe ich bis auf das eine Bild von Herbert Hoikis, alle
Aufnahmen freundlicherweise von einem amerikanischen Bekannten - Jeff
Alu - zur Verfügung gestellt bekommen.
Thanks Jeff!
Hier der Link zu seiner Site: http://www.animalu.com/pics/photos.htm
Ein weiterer Link zur "Dustdevil"- Site von Thomas Sävert (viele gute, sekundäre Links): http://www.naturgewalten.de/dustdevil.htm
Thanks Jeff!
Hier der Link zu seiner Site: http://www.animalu.com/pics/photos.htm
Ein weiterer Link zur "Dustdevil"- Site von Thomas Sävert (viele gute, sekundäre Links): http://www.naturgewalten.de/dustdevil.htm







