Superzellen in Österreich
Allgemeines
- Definition (nach C. Doswell): Gewitterzelle mit einer beständigen
(mind. 15min), hochreichenden (mind. 1/3 der gesamten konvektiven
Zelle) Mesozyklone (rotierendes Aufwindfeld);
d.h. ein Gewitter, das zumindest etwas über eine viertel Stunde organisierte und beständige Rotation zeigt (der Zelle oder des Aufwindfeldes) erfüllt praktisch immer die Definitionskriterien einer Superzelle (obwohl die Bezeichnung "Superzelle" etwas unglücklich gewählt ist, da genauso Zellen auftreten können die, obwohl rotierend, nicht extrem auffallen; jedoch erzeugen etwa 90% aller Superzellen unwetterartige Wettererscheinungen) - Jedes Jahr bilden sich in Österreich im Schnitt rund 50 Superzellen (möglicherweise aber auch deutlich mehr)
- Das bedeutet auch, dass lediglich ca. 7% aller Gewitter rotierende Zellen sind oder sich zu solchen entwickeln
- Dies entspricht in den Hauptmonaten von Mai bis Ende August etwa einer Superzelle in drei Tagen
- rund 75% dieser Unwetter erzeugen Hagel >2cm
- 30% zusätzlich oder alleine verheerende Downbursts
- und schließlich etwa 10% bringen zumindest einen Tornado hervor (ein Tornado auf etwa zehn Superzellen, allerdings rd. 50% Wahrscheinlichkeit auf zumindest eine weitere Trombe, wenn bereits eine aufgetreten ist)
- Im extremsten Fall können sie über viele Stunden hinweg existieren, dabei eine Reihe von Downbursts (oder sogar "Derechos") und/oder Tornados erzeugen
- Die Windgeschwindigkeiten in der Mesozyklone allein – noch ohne Tornado! – können über 120km/h betragen
Optische Merkmale von Superzellen
- eine rotierende Wolkenmauer (Wallcloud )
- eine oft tiefschwarze, niederschlagsfreie Basis
- eine ausgeprägte Versorgungslinie, manchmal auch ein sogenannter „Biberschwanz“
- eine "tail cloud" (kondensiertes Einstromband in Richtung des Niederschlagfeldes)
- ein kompakter vorstoßender Gipfel ( overshooting top )
- gelegentlich erkennbarer verdrehter Hauptaufwärtsstrombereich bzw. gekrümmte Wolkenbänder („Frisierstab“)
- häufig ein rückwärts ziehender Amboss
Kennzeichen am Radar (Echo)
- ein kleines Gebiet in den unteren Wolkenschichten mit einem schwachem Signal das sich in der Höhe ausbreitet und verstärkt (deutet extremen Aufwind an)
- ein Echo in Hakenform in Aufsicht und/oder Schnitt
- eine äußerst kompakte, gleichbleibende Struktur hoher Intensität
- eine Mesozyklone
- eine Einkerbung in V-Form, zumeist im östlichen Niederschlagsgebiet
- eine ungewöhnlich lange Lebensdauer bei gleichbleibender Intensität
Entsteht eine Superzelle in einer Gewitterlinie (Squalline) - meistens am südlichen, oder auch nördlichen Rand - zeigt sich dies häufig durch eine Änderung der Zugbahn der Zelle (in manchen Fällen vollführt die Superzelle sogar Kreisbewegungen, 180° Wendungen und wechselt die Zuggeschwindigkeit).
Nicht selten werden andere, in der Nähe stehende Quellwolken oder sogar Gewitter, von der Superzelle regelrecht aufgesaugt. Sie entzieht durch ihren Aufwind und großen Zustrombereich anderen Zellen die Feuchtigkeitszufuhr, wodurch sich diese auflösen.
Abschließend sei gesagt, dass Superzellen die größte Gefahr aller Arten von Gewittern darstellen, indem sie die extremsten Wetterphänomene hervorbringen können. Unerfahrene Personen sollten sich unbedingt von ihnen fernhalten, wenn sie nicht in eine gefährliche – und nicht selten auch lebensgefährliche – Lage kommen wollen!
mm - Skywarn Austria







