Hochhaus-Mikroklima (im 25. Stock)

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dubstep
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Hochhaus-Mikroklima (im 25. Stock)

#1 Beitrag von dubstep » Dienstag 4. Februar 2014, 02:13

Hi,
ich ziehe im Dezember im 25. Stock ins Citygate im 21. Bezirk. Vorab habe ich mich natürlich schon über mögliche Witterungseinflüsse im Internet informiert, jedoch findet man leider nicht all zu viel darüber. *grübel*
Deswegen folgende Fragen an die Experten (vielen Dank schonmal für die Antworten):
- ist der Wind in rund 75m Höhe über Boden wirklich so viel stärker, wie man immer von etlichen Leuten hört?
- es macht schon einen Unterschied, ob der Balkon in Südost- oder Nordwest-Richtung schaut oder? Da in Wien die meiste Zeit der Wind aus Westen kommt, denke ich, das Südost, die wesentlich bessere Himmelsrichtung (abgesehen von dem Vorteil der Sonne) ist.
- stimmt es, dass es im Hochhaus im Sommer VIEL heißer und im Winter VIEL kühler als normal (z.B. in einer Wohnung im 5.Stock) ist?
- hat man in dieser Höhe ebenfalls Tropennächte zu erwarten? Ich wohne derzeit im dicht verbauten 9. Bezirk - da gehören Tropennächte im Sommer ja leider einfach dazu. *flop*
Danke! *top*

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Blizzard
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Re: Hochhaus-Mikroklima (im 25. Stock)

#2 Beitrag von Blizzard » Dienstag 4. Februar 2014, 10:19

dubstep hat geschrieben:Hi,
ich ziehe im Dezember im 25. Stock ins Citygate im 21. Bezirk. Vorab habe ich mich natürlich schon über mögliche Witterungseinflüsse im Internet informiert, jedoch findet man leider nicht all zu viel darüber. *grübel*
Deswegen folgende Fragen an die Experten (vielen Dank schonmal für die Antworten):
- ist der Wind in rund 75m Höhe über Boden wirklich so viel stärker, wie man immer von etlichen Leuten hört?
- es macht schon einen Unterschied, ob der Balkon in Südost- oder Nordwest-Richtung schaut oder? Da in Wien die meiste Zeit der Wind aus Westen kommt, denke ich, das Südost, die wesentlich bessere Himmelsrichtung (abgesehen von dem Vorteil der Sonne) ist.
- stimmt es, dass es im Hochhaus im Sommer VIEL heißer und im Winter VIEL kühler als normal (z.B. in einer Wohnung im 5.Stock) ist?
- hat man in dieser Höhe ebenfalls Tropennächte zu erwarten? Ich wohne derzeit im dicht verbauten 9. Bezirk - da gehören Tropennächte im Sommer ja leider einfach dazu. *flop*
Danke! *top*
Dafür habe ich mich auch schon interessiert, habe da aber schon für die jetzige Wohnung unterschrieben. ;)
Interessantes Thema jedenfalls. Ich würde eine Wetterstation auf dem DC-Tower interessant finden(wäre dann fast auf 400m Seehöhe). Kann wohl leicht sein, dass es oben schneit während es unten regnet. Auch die Windverhältnisse würden mich interessieren.

Der Burn kann da sicher mehr dazu sagen. ;)

Tropennächte gibt es viel weniger als in der Innenstadt, wohne ja nicht weit weg von dort. Soviel Unterschied wird das wohl nicht sein zum Boden.
LG, Mario
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ManuelW4
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Re: Hochhaus-Mikroklima (im 25. Stock)

#3 Beitrag von ManuelW4 » Dienstag 4. Februar 2014, 11:47

Zum Wind: prinzipiell weist das Windprofil ein logarithmisches Höhenprofil auf, er nimmt also mit der Höhe zu. Allerdings spielt in Wien bodennah auch der Düseneffekt zwischen den Häusern eine Rolle, der beim Hochhaus dann wegfällt - inwieweit sich diese Effekte gegenseitig aufheben, vermag ich nicht zu sagen.

Bild

Einen Balkon in NW-Richtung würde ich mir nicht nehmen - schon alleine wegen der Position der Sonne nicht. Vom Wind her wird's egal sein, in Wien gibts das ganze Jahr über neben (N)W-Wind auch ausgiebige SO-Wind Lagen ;)

Tropennächte: Ich hab mir einige Wiener Radiosondenaufstiege um 00z (also um 2 Uhr nachts) während der brütenden Hitze im August angesehen, und da zeigt sich eigentlich ein eindeutiges Bild: knapp über der bodennahen, bereits ausgekühlten Schicht, steigt die Temperatur meist merklich an. Ein Bsp: Am 3. August 2013 sind es um 00z auf der Hohen Warten etwa 22 Grad, darüber steigt die Temperatur rasch an und erreicht wenige 100 Meter darüber ihr Maximum mit knapp 29 (!) Grad. Einen Tag später sehr ähnlich: Wien H.W. um 00z etwa 23-24 Grad (wäre ja das schon warm genug ;) ), darüber wieder erheblicher Anstieg und nur wenige Dekameter darüber knapp 30 Grad. Auch am 2. August 00z stehen bodennahen 20 Grad etwa 25 Grad knapp darüber gegenüber. Keine Ahnung, ob man das 1:1 auf den 21. Bezirk anwenden kann, vermutlich aber schon, denn die dünne, "kühlere" Schicht beschränkt sich wohl besonders im Sommer nur auf wenige Meter. *schwitz* Ich wüsste auch nicht, wieso sich die Luft in 100m über dem Erdboden nach einem extrem heißen Tag überdurchschnittlich abkühlen sollte, denn sowohl Erwärmung, als auch Abkühlung der Luft werden primär von der Temperatur des Bodens gesteuert. Also ja - du hast vermutlich Tropennächte zu erwarten ;) Eine Wetterstation an irgendeinem Hochhaus wäre da auf jeden Fall sehr interessant, so ließe sich das falsi- bzw. verifizieren.

PS: ähnliche Ergebnisse mit markanten Bodeninversionen zeigen auch Radiosondenaufstiege aus Prag oder München. Ein extremes Bsp. dazu aus München: am 3.8. (00z) betrug die Temperatur in 2m Höhe 17 °C, wenige Meter darüber 30 °C *roll*
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BURN
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Re: Hochhaus-Mikroklima (im 25. Stock)

#4 Beitrag von BURN » Dienstag 4. Februar 2014, 17:51

Hallo,

Ich wohne im 21. Stock und kann dir da vielleicht ein bißchen helfen.
Meine Loggia ist nach Norden ausgerichtet und das würde ich unter keinen Umständen tauschen, denn sobald die Sonne direkt darauf scheint, heizt es sich wie ein Backofen auf.
Ein südliche oder westliche Loggia/Balkon ist im Sommer quasi nicht nützbar. Meine Nachbarn mit südlicher Ausrichtung müssen sich sogar mit Hilfe von Aussenrollos verbarikadieren, dass ein Schlafen in der Wohnung noch einigermaßen erträglich ist. Ich hingegen, genieße mein schattiges und angenehmes Platzerl in der Frischluft ;)

Zum Thema Wind ist zu sagen, dass er in den meisten Fällen vorm Haus stärker ist als oben (Düseneffekt?) - während es einem unten die Haare zersaust, ist oben gar nichts zu spüren. Geht dann ab und wann eine Front oder ein Sturm durch, dann ist es sowieso egal, ob unten oder oben...
Also im Sommer sind bei mir immer alle Fenster geöffnet/gekippt und hatte noch nie Windprobleme...

@Temeratur: Im Sommer war es in den Hitzewellen zwar sehr warm (um die 30°C), aber nie unangenehm. Im Vergleich zu meiner alten Wohnung war ein Schlafen immer leicht möglich. Ich schätze mal, dass ich da heroben einfach weniger Probleme mit der Luftfeuchtigkeit habe und damit auch nicht mehr waschel nass im Bett liege. Weiters habe ich auch im Winter immer konstant 22°C in der Wohnung - ich habe noch nie die Heizung einschalten müssen (auch nicht in langen Kälteperioden) - das dürfte aber eher eine Frage der Dämmung sein und weniger der Vorteil eines Hochhauses ;)

Und es gibt noch einen weiteren RIESEN Vorteil: In diese Höhe verirren sich keine Gelsen (oder anderes lästiges Getier)!
Nur das Zirpen der Fledermäuse, die sich da ganz gerne einnisten, ist manchmal ziemlich lästig (klingt wie Grillen Zirpen)...

dubstep
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Re: Hochhaus-Mikroklima (im 25. Stock)

#5 Beitrag von dubstep » Dienstag 4. Februar 2014, 21:33

Vielen Dank für die kompetenten und interessanten Antworten! *top*
Das Post von ManuelW4 macht mir Sorge, das von BURN hingegen wieder Hoffnung. Egal, ich freu mich drauf und werde auf jeden Fall dann davon berichten, wenn es soweit ist. Die gesamte Wohnung und der Balkon, sind übrigens nach Südosten ausgerichtet. *sonne* Es gibt übrigens eine gute Sonnenstandsimulation - auch für Wien (inkl. Einstrahlungswinkel, u.v.m. ...): http://sonnenverlauf.de/#/48.2632,16.45 ... 2.04/21:36" onclick="window.open(this.href);return false;
Hier sieht man, dass die Sonne bei einer nach Südosten ausgerichteten Wohnung - je nach Jahreszeit - eh zwischen 11 Uhr und 13 Uhr verschwindet.

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Re: Hochhaus-Mikroklima (im 25. Stock)

#6 Beitrag von nadjap » Mittwoch 5. Februar 2014, 08:25

Lt. Klimaatlas gehen in Wien meiner Erinnerung nach grob gesagt an 1/3 des Jahres N/NW-Wind, an 1/3 des Jahres SO/S-Wind, an 1/3 des Jahres ist es (relativ) windstill. Winde aus NO bzw. SW sind eher selten.

Ich weiß jetzt nicht, wie es dir z.B. an den letzten Tagen ergangen in deiner neuen Wohnung ergangen wäre, wo in Wien der SO-Wind nur bedingt zu spüren war, während es z.B. auf der Jubiläumswarte bzw. auch bei mir oben eigentlich schon stürmte bzw. zumindest sehr kräftiger Wind ging. Ein Hochhaus ist ja doch exponierter. Kommt aber wohl auch auf die Windscherung an.

Die Kanalisierungswinde sind ein anderes Thema, wie z.B. auf der Donauplatte, östlich/südlich der Wiener- und Mariabrunner Pforte (entlang der gesamten Donau z.B. bei NW-Wind), oder z.B. auch am Anfang der Marxergasse zwischen den Hochhäusern des Justizzentrums und des neuen Wien-Mitte-Komplexes. Das meint wahrscheinlich BURN mit zerzausten Haaren bei ihm am Boden, oder?
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BURN
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Re: Hochhaus-Mikroklima (im 25. Stock)

#7 Beitrag von BURN » Mittwoch 5. Februar 2014, 08:43

nadjap hat geschrieben:Das meint wahrscheinlich BURN mit zerzausten Haaren bei ihm am Boden, oder?
Ja genau ;)
Geht man ins Haus hinein, glaubt man es stürmt - Steht man dann 5 min. später oben auf der Loggia, hat man das Gefühl, dass Windstille herrscht...
dürfte wohl der berühmte Düseneffekt(?) sein ;)

Aber prinzipiell hat man dort oben keine Windprobleme und kenne da auch keine Geschichten von anderen Hausbewohnern - dürfte scheinbar wirklich so sein, dass der Wind die Fassade entlang "geht", sich aber eben nicht in die zahlreichen Loggien rein wagt...

dubstep
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Re: Hochhaus-Mikroklima (im 25. Stock)

#8 Beitrag von dubstep » Samstag 8. Februar 2014, 12:52

Bezüglich Wind, habe ich noch folgende interessante Statistik der ZAMG gefunden:
Windrichtung Hohe Warte (1971-2000):
Bild
Windrichtung Innere Stadt (1971-2000):
Bild

Bezüglich Sonnenstunden, gibt "sonnenverlauf.de" folgende Informationen für Wien-Floridsdorf mit Richtung Südosten an (eigentlich optimal - in der kalten Jahreszeit, die beinahe maximale Sonnenausbeute, im Sommer weniger): mit Sonnenscheindauer/Tag ist die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gemeint
Jänner (07:41 – 15:36; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 7h 55min; = 90% der Sonnenscheindauer/Tag)
Februar (07:03 – 15:36; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 8h 33min; = 83% der Sonnenscheindauer/Tag)
März (06:09 – 14:52; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 8h 43min; = 74% der Sonnenscheindauer/Tag)
April (06:05 – 15:15; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 9h 10min; = 67% der Sonnenscheindauer/Tag)
Mai (05:16 – 14:47; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 9h 31min; = 62% der Sonnenscheindauer/Tag)
Juni (04:54 – 14:37; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 9h 43min; = 60% der Sonnenscheindauer/Tag)
Juli (05:10 – 14:48; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 9h 38min; = 61% der Sonnenscheindauer/Tag)
August (05:49 – 15:07; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 9h 18min; = 65% der Sonnenscheindauer/Tag)
September (06:32 – 15:27; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 8h 55min; = 70% der Sonnenscheindauer/Tag)
Oktober (07:14 – 15:41; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 8h 27min; = 77% der Sonnenscheindauer/Tag)
November (07:02 – 15:06; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 8h 4min; = 87% der Sonnenscheindauer/Tag)
Dezember (07:39 – 15:36; mögliche Sonnenstunden/Tag bei Südost-RI: 7h 57min; = 95% der Sonnenscheindauer/Tag)
Hier noch die dazu passende Grafik (ich weiß, die Monate sind genau verkehrt herum *rofl* ):
Bild

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