Der "Wiener Lurch"-Effekt

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Exilfranke1
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Der "Wiener Lurch"-Effekt

#1 Beitrag von Exilfranke1 » Donnerstag 14. Juli 2011, 14:32

Gestern kam die Frage auf, warum hier bei Gewitterlagen immer wieder der Begriff "Lurch"-Effekt auftaucht.
Zum Einen ist es eine wenig nett gemeinte Umschreibung der Wiener Großstadt, die einem Landmenschen wie
der "Lurch" vorkommt, also viel Beton, wenig grün (stimmt auch weitgehend, wenn man sich innerhalb des Gürtels bewegt),
dazu die Grantler und betröppelten Gesichter, gerade beim Hochnebel im Winter. Soweit der etymologische Hintergrund ;)

(Ich schätze die schönen Seiten Wiens: Vielfältige Kunst & Kulturszene, schöne Architektur)

Ich fasse mal die Gründe zusammen, wobei Nadjap gestern im Gewitterthread eh schon einiges genannt hat - hier noch die meteorologische Erklärung dazu:

1) Die Gewitter(linien) aus Westen verhungern auf dem Weg nach Osten:

Bei einer Gewitterlage, die Wien Gewitter aus Westen bringt, herrscht - von winterlichen Sturmlagen abgesehen - immer eine Trogvorderseite mit föhniger Südströmung in den Ostalpen und lebhaftem Südostwind am Alpenostrand bei Wien. Der Föhn verhindert tagsüber lange Zeit Gewitterbildung, erst Recht im näheren Dunstkreis von Wien (Mostviertel). Meist bilden sich dann im Alpenvorland über Bayern einzelne heftige Gewitter, fast immer Superzellen, die entgegen der mittleren Höhenströmung (Südwest) nach Osten am Alpenrand entwickeln ziehen. Tagsüber nähren sie von der Energie, die die Sonneneinstrahlung bereitstellt, und kommen dann auch oft noch superzellig im Flachgau und Innviertel an. Spätestens dann ist die Tageszeit oft schon fortgeschritten und die Gewitter werden abwinddominant, d.h. die Kaltluftentwicklung (cold pool) in Bodennähe überwiegt und erzeugt die Umwandlung der vorher kirsch/pflaumenförmigen Zelle in eine Linie oder Bogenecho.

Nun hängt es von mehreren Dingen ab, ob die Gewitter Wien erreichen

- zum Einen darf der CINH (also die Energie, die aufgewendet werden muss, um ein Luftpaket von der Wolkenuntergrenze zur Höhe freien Auftriebs zu heben) nicht zu groß sein

- damit eng verbunden sind Trockenschichten in der Höhe, die ein etwaig entstehendes Gewitter rasch austrocknen - wobei der Föhn eine gewichtige Rolle spielt, da er für Absinken und Auftrocknung sorgt

- zum Anderen darf der Trog nicht zu weit westlich nach Nordosten durchschwenken: meist bewegt sich die mittlere Höhenströmung nordostwärts über Mühlviertel und Tschechien, dorthin bewegen sich - wie gestern - die meisten Gewitterzellen. Nur besonders kräftige Gewitterzellen können rechts ausscheren (ostwärts), müssen aber genügend Energie erhalten, um das über mehrere 100 km tun zu können. Sobald die Zellen schwächeln, passen sie sich wieder der mittleren Nordostströmung an und ziehen nordwärts an Wien vorbei (vergangene Woche mehrmals passiert). Sobald die Gewitter(linie) aber aus dem Trog mit der Hebung herausläuft, also rechts ausschert, müssen die Bedingungen passen (wenig CINH, viel Energie, möglichst feucht, frühe Tageszeit).

- bestenfalls gibt es zwischen St. Pölten und Wien bzw. allgemein Mostviertel eine Neubildung, sodass sich die Distanz zwischen Gewitter und Wien verkürzt.

2) Die Druckwelle

Kräftige Gewitter über Oberösterreich, die nachfolgend nordostwärts ziehen, erzeugen je nach Niederschlagsintensität eine Outflow Boundary, die die niederschlagsgekühlte Luft mitunter hunderte km vom Gewittersystem wegtransportiert. Sie macht sich im Donauraum durch auffrischenden Westwind bemerkbar und stabilisiert die bodennahe Luftschicht.

Dies ist nicht gewitterkillend, wenn oberhalb der Grundschicht Instabilität vorhanden ist, so wie heute nacht (vgl. Wien 00 UTC), oder am 27. Mai 2011, als im östl. Flachland Nordostwind herrschte und die Gewitter von Südwesten her zogen. Wenn ein dynamisch getriggertes Hebungsfeld (Vorticitymaximum) durchgeht, kann die Gewitterbildung oberhalb der Grundschicht ("elevated") stattfinden, dann ist völlig blunzn, ob die Grundschicht bereits auskühlte und stabilisiert wurde. Vergangene Nacht reichte es nur deswegen nicht, weil der CINH immer noch zu groß war.

3) Der klassische Lee-Effekt (Absinkeffekt auf der windabgewandten Seite) des Wienerwalds


Die Outflow Boundary der Zellen vom Mostviertel kommend überströmt den Wienerwald, sinkt ab und sorgt knapp östlich von Wien für Neubildung durch Konvergenz (Westwind vs. Ostwind). Meist eilt die Shelf Cloud dann dem eigentlichen Gewitterkern weit voraus, so wie am 22.6., und jagt über Wien hinweg, ohne dass vom Wind abgesehen irgendwas passiert. Östlich von Wien ist das Absinken vorbei, mitunter reicht schon minimale Topographie (z.B. Laaer oder Wienerberg), um die Neubildungen auszulösen.

Dieser 'Wien wird übersprungen'-Effekt trat heuer allerdings auch schon auf, als die Gewitter von Osten kamen (weiß jemand das Datum?), auch da gab es über Wien ein Loch, und im Wienerwald (!) Neubildungen.

-----

Wo Wien fast immer mit Gewitter rechnen kann, ist bei Gewitterbildungen südlich von Wien und Südostströmung. Wenn das Zeug vom Nordburgenland oder Steinfeld nordwärts kriecht, wie am 5.8.10 abends, gibt es kein Hindernis, was die Gewitter aufhalten kann. Oft ist die Luftmasse dann auch energie- bzw. flüssigwasserreich, was sich entsprechend in der Blitzaktivität niederschlägt (damals ein regelrechtes Feuerwerk). Auch am 13.8.2010, als es wienweit Überflutungen gab, dürfte das Gewitter von Süden gekommen sein.

Zusammenfassend:

Gewitter, die von Westen kommen, ziehen oft nordöstlich vorbei, schicken eine stabilisierende Druckwelle (Outflow Boundary) voraus, und sterben spätestens im Lee des Wienerwalds über Wien, um sich weiter östlich neu zu formieren. Das ist der "Lurch"-Effekt.

Stabilisierung der bodennahen Luftschicht ist nur dann irrelevant, wenn die Gewitter entkoppelt von dieser entstehen, oft nachts, aber auch tagsüber (27.5.), dann können sie unabhängig der bodennahen Luftströmung (auch West bzw. Nordost) und der Bodentemperatur Wien erreichen.

Die günstigsten Bedingungen in Wien herrschen bei Höhenströmung Süd ohne bzw. mit nur schwachem föhnigen Absinken, wenn die Gewitter vom südl. Niederösterreich bzw. Nordburgenland Richtung Wien ziehen, sowie bei gradientschwachen Lagen im Mai/Juni (vgl. 4.6., 8.6.), wenn sich über Wien Konvergenzlinien entwickeln, z.T. durch Stadteffekt (Hitzeglocke, sozusagen der positive Lurch-Effekt) verstärkt, und die Gewitterbildung dann lokal mit intensivem Regen einhergeht.

***

Warum es bei manchen Squall lines aus Westen reicht, und bei manchen nicht, muss man im Einzelfall recherchieren. Meine obigen Ausführungen basieren erst auf anderthalb erlebten Sommern in Wien.

Auch hab ich nicht herausgearbeitet, warum manche Outflow Boundaries Neubildungen erzeugen und andere stabilisieren.

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roman 1220
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#2 Beitrag von roman 1220 » Donnerstag 14. Juli 2011, 14:40

Vieeeeelen Dank Felix

sehr verständlich erklärt
Lg
Roman

1220 Wien (DZ Nähe) / 2340 Mödling Arbeit

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In vino veritas, in cervesa felicitas

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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#3 Beitrag von Exilfranke1 » Donnerstag 14. Juli 2011, 14:42

Ein Nachtrag bzw. Hypothese:

Heute ist wieder so ein Tag, wo es im Flachland scheinbar stabilisiert hat (Westwind), laut Satellitenbild herrscht aber weiterhin Südwest in der Höhe und die Gewitter sind zum Teil entkoppelt.

Das ist jetzt der 2. oder 3. Fall, wo am vermeintlichen Unwettertag mit Kaltfrontdurchgang im Osten nichts passiert, am Folgetag dann aber mit Stabilisierung am Boden und elevated convection in der Höhe doch noch Gewitterzellen entstehen. Wenn das häufiger vorkommt, müsste man sich bei solchen Lagen hier im Osten eher auf Tag 2 konzentrieren.

WSGF

Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#4 Beitrag von WSGF » Donnerstag 14. Juli 2011, 14:56

danke auch für die ausführliche erklärung :)

günschi
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#5 Beitrag von günschi » Donnerstag 14. Juli 2011, 20:22

Das fand ich jetzt auch sehr interessant.
Vielen Dank Felix!
*super*
Grüße, Günther!

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ManuelW4
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#6 Beitrag von ManuelW4 » Donnerstag 14. Juli 2011, 20:49

Wo Wien fast immer mit Gewitter rechnen kann, ist bei Gewitterbildungen südlich von Wien und Südostströmung. Wenn das Zeug vom Nordburgenland oder Steinfeld nordwärts kriecht, wie am 5.8.10 abends, gibt es kein Hindernis, was die Gewitter aufhalten kann. Oft ist die Luftmasse dann auch energie- bzw. flüssigwasserreich, was sich entsprechend in der Blitzaktivität niederschlägt (damals ein regelrechtes Feuerwerk). Auch am 13.8.2010, als es wienweit Überflutungen gab, dürfte das Gewitter von Süden gekommen sein.
14.7.2011 ? *liebschau*
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#7 Beitrag von Exilfranke1 » Donnerstag 14. Juli 2011, 21:09

ManuelW4 hat geschrieben:
Wo Wien fast immer mit Gewitter rechnen kann, ist bei Gewitterbildungen südlich von Wien und Südostströmung. Wenn das Zeug vom Nordburgenland oder Steinfeld nordwärts kriecht, wie am 5.8.10 abends, gibt es kein Hindernis, was die Gewitter aufhalten kann. Oft ist die Luftmasse dann auch energie- bzw. flüssigwasserreich, was sich entsprechend in der Blitzaktivität niederschlägt (damals ein regelrechtes Feuerwerk). Auch am 13.8.2010, als es wienweit Überflutungen gab, dürfte das Gewitter von Süden gekommen sein.
14.7.2011 ? *liebschau*
jein, eben haben sich die zellen genau vor der urselbrunnengasse geteilt.

heute ist die ganze frontalzone ein tick zu weit östlich, daher reicht es nicht ganz.

nadjap
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#8 Beitrag von nadjap » Freitag 15. Juli 2011, 06:56

*thx* *gut*
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Daniel

Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#9 Beitrag von Daniel » Freitag 15. Juli 2011, 11:51

sehr schön geschrieben

das Gewitter am 13.08.2010 war nicht übel von der Intensität und kam auch aus Süd-Südwest (sagen wir SSW)

aber das Blitzfeuerwerk gestern war beeindruckender als jenes am 13.08.2010 - damals gab es mehr Wolkenblitze, gestern ausschließlich Erdblitze

nadjap
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#10 Beitrag von nadjap » Freitag 15. Juli 2011, 18:19

Jetzt wird mir auch klar, warum viele "Weißwurstexpress-Zellen", die aus Bayern reinziehen und entlang des Alpenrands immer südlich anbauen und damit eigentlich Wien-Kurs hätten, gerne ca. auf Höhe Amstetten-Melk dann doch wieder Ri. ONO bis NO links abhauen und Wien nicht treffen - eigentlich eine watscheneinfache Erklärung mit der Abschwächung und dem nicht-mehr-Südanbauen.

Auffallend ist, dass heuer glaub ich das erste Jahr ist seit 2007 (oder gabs 2009 doch auch eine Lücke, denn den 23.07.09 kann man ja da eigentlich nicht rechnen, da Neubildung bei St. Pölten - der ursprüngliche Weißwurstexpress bog ja eben so wie oben beschrieben im Mostviertel nach ONO/NO ins Weinviertel ab), wo es eine ehemalige "Weißwurst" nicht bis Wien schaffte - ist aber eh besser so, denn dann ist immer die Hölle los in der Stadt (21.+22.06.07; Euro 08 - Fanzonenräumung; 12.06.10)
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#11 Beitrag von Herfried » Samstag 16. Juli 2011, 23:49

Danke *top*
Schöne Grüße vom Zösenberg bei Graz, Herfried Spät-Schneefrosch 2011

gavris
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#12 Beitrag von gavris » Montag 18. Juli 2011, 23:37

Danke Felix - suuuuuper ausgeführt *top* *top* *top*
Das mit der Konvergenz ist sowieso bisschen ein Rätsel für mich. An der Vorderseite herrscht S bis SE-Wind, okay.
Aber wieso eilt der W-Wind (va in Oberösterreich) oft voraus und sorgt für Konvergenzen, die Gewitter auslösen?

Andererseits gibts ja auch Lagen, wo der geanu selbe W-Wind trotz konvergenter Systeme bloß stabilisiert, weil die Kaltluft seicht einfließt.
Hm..... *nixweiss* so wie du mit den Boundaries angesprochen hast - sie können stabilisieren ODER aber auch Gewitter triggern!

Lg, stefan
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#13 Beitrag von SteHo » Dienstag 19. Juli 2011, 00:28

gavris hat geschrieben:Danke Felix - suuuuuper ausgeführt *top* *top* *top*
Das mit der Konvergenz ist sowieso bisschen ein Rätsel für mich. An der Vorderseite herrscht S bis SE-Wind, okay.
Aber wieso eilt der W-Wind (va in Oberösterreich) oft voraus und sorgt für Konvergenzen, die Gewitter auslösen?

Andererseits gibts ja auch Lagen, wo der geanu selbe W-Wind trotz konvergenter Systeme bloß stabilisiert, weil die Kaltluft seicht einfließt.
Hm..... *nixweiss* so wie du mit den Boundaries angesprochen hast - sie können stabilisieren ODER aber auch Gewitter triggern!

Lg, stefan
Der Westwind eilt in OÖ ws deshalb voraus, weil es vorher im angrenzenden Bayern und Salzburg oftmals schon zur Gewitterauslöse und damit verbundenen Entwicklung eines Cold Pools im Abwindbereich der Gewitter kommt. Dieser kann sich durchaus auch schneller ausbreiten als der eigentliche Mittelwind es vermuten lassen würde.

Ob nun ein Outflow und damit verbundener Entwicklung eines Cold pools neue Zellen an seiner Vorderseite triggert oder einfach nur den Inflow abschneidet, hängt von mehreren Faktoren ab. Grundlegend kann man sagen, wenn die Ausbreitungsgeschwindigkeit (und die Vorticity die an der Vorderseite durch Absinken im Cold pool und aufsteigender Luft davor generiert wird) ziemlich in Balance ist mit der Vorticity(mit gegensätzlichem Vorzeichen) die durch Windscherung in den tieferen Schichten produziert wird, werden laufend neue Zellen direkt an der Outflow Boundary gezündet.

Überwiegt jedoch die Ausbreitungsgeschwindigkeit und Vorticity des cold pools, neigen sich die Zellen relativ schnell stromaufwärts und bilden sich rasch zu einem stratiformeren Regenfeld um.

Trockenere Luft kann natürlich nördlich der Alpen (Föhn) die Gewitter auch austrocknen, bzw werden die CIN Werte einfach zu hoch , als dass es noch auslösen könnte!
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#14 Beitrag von gavris » Dienstag 19. Juli 2011, 00:39

Stefan, auch super erklärt *super*
Aber gerade eine trockene Grenzschicht kann ja auch extreme Konvektion generieren oder?
Am Übergang zwischen trockener Föhnluft direkt am Alpenrand und dem Einfließen im dahinter liegenden Alpenvorland entstehen oft Konvergenzen und die Luft "hinter" dem Föhn ( im Alpenvorland) ist oft sehr schwül. Gibts dann eine trockenere Höhenluft ist das ja im Prinzip förderlich - aber dann ist ja der CIN eben wieder im Weg oder?
Lg, Stefan aus Ternitz

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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#15 Beitrag von nadjap » Dienstag 19. Juli 2011, 07:10

Danke Stefan, wirkt auch für Laien sehr gut verständlich! *gut*
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#16 Beitrag von Dominik » Dienstag 19. Juli 2011, 20:51

Ganz toller Beitrag Felix!
In dieses Thema möcht ich mich auch reintigern, um besser für Wien vorhersagen zu können....

Manchmal kommt der Westwind brav mit der Böenfront, dann gehts in Wien rund... heuer gabs das Szenario noch nicht wirklich.
Dafür mehr elevated Lagen.... auch irgentwie interresant und für mich noch relativ unbekannt gewesen


Daniel hat geschrieben:sehr schön geschrieben

das Gewitter am 13.08.2010 war nicht übel von der Intensität und kam auch aus Süd-Südwest (sagen wir SSW)

aber das Blitzfeuerwerk gestern war beeindruckender als jenes am 13.08.2010 - damals gab es mehr Wolkenblitze, gestern ausschließlich Erdblitze

Also 13.08.2010 war das heftigste geilste Gewitter in Wien seit meinen Lebzeiten (bzw ich denken kann)
Ich meine damit Blitzaktivität und vom örtlichen Treffer (klar gabs heftigere Zellen noch in Wien)

Jedenfalls gabs am 13.8 bei mir alle 10 - 15 Sekunden einen Erdblitz-Nahkracher, dazu Dauerflackern in den Wolken, also meinem Empfinden nach kommt kein Gewitter da ran und schon gar nicht die heurigen (bis JETZT) :)

Fotografieren ging halt net weils mir die Blitze um die Ohren gehaut hat..... War das einzige Gewitter neben 23.7.2009 wo mir echt mulmig wurde....


lg
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#17 Beitrag von Lords04_XXI » Dienstag 19. Juli 2011, 22:00

Dominik hat geschrieben:Ganz toller Beitrag Felix!
In dieses Thema möcht ich mich auch reintigern, um besser für Wien vorhersagen zu können....

Manchmal kommt der Westwind brav mit der Böenfront, dann gehts in Wien rund... heuer gabs das Szenario noch nicht wirklich.
Dafür mehr elevated Lagen.... auch irgentwie interresant und für mich noch relativ unbekannt gewesen


Daniel hat geschrieben:sehr schön geschrieben

das Gewitter am 13.08.2010 war nicht übel von der Intensität und kam auch aus Süd-Südwest (sagen wir SSW)

aber das Blitzfeuerwerk gestern war beeindruckender als jenes am 13.08.2010 - damals gab es mehr Wolkenblitze, gestern ausschließlich Erdblitze

Also 13.08.2010 war das heftigste geilste Gewitter in Wien seit meinen Lebzeiten (bzw ich denken kann)
Ich meine damit Blitzaktivität und vom örtlichen Treffer (klar gabs heftigere Zellen noch in Wien)

Jedenfalls gabs am 13.8 bei mir alle 10 - 15 Sekunden einen Erdblitz-Nahkracher, dazu Dauerflackern in den Wolken, also meinem Empfinden nach kommt kein Gewitter da ran und schon gar nicht die heurigen (bis JETZT) :)

Fotografieren ging halt net weils mir die Blitze um die Ohren gehaut hat..... War das einzige Gewitter neben 23.7.2009 wo mir echt mulmig wurde....


lg
Da schließ ich mich euch an, meine Top 7 Gewitter die ich nie vergessen werd sind dea 13.5.2003, 21 + 22.7.2007, 20.6.2008,23.7.2009, 13.8.2010 sowie das Gewitter 14.7.2011 :)

Danke Felix für die sehr gute Aufklären sehr informativ und für die Laien auch sehr verständlich.

Ja das mit dem Lurch-Effekt damit hab ich mich auch scho abgefunden wenn die Weißwurstzellen nach Österreich ziehen außer die paar Ausnahmen.
Mit freundlichen grüßen aus Floridsdorf-Strebersdorf XXI--- Manuel :):)

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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#18 Beitrag von nadjap » Mittwoch 20. Juli 2011, 06:37

Gebe Dominik recht, der 13.8. war eines der blitzintensivsten Gewitter, die ich jemals erlebt habe. Damals konnte man draussen nur kurze Zeit fotografieren, je näher es kam, desto brenzliger wurde es. Ich habe noch immer die Blitzkarte dieses Tages gespeichert - ich glaube das waren fast so viele Blitze wie alle heurigen in Wien zusammengezählt ...
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#19 Beitrag von Exilfranke1 » Donnerstag 21. Juli 2011, 00:11

nadjap hat geschrieben:Gebe Dominik recht, der 13.8. war eines der blitzintensivsten Gewitter, die ich jemals erlebt habe. Damals konnte man draussen nur kurze Zeit fotografieren, je näher es kam, desto brenzliger wurde es. Ich habe noch immer die Blitzkarte dieses Tages gespeichert - ich glaube das waren fast so viele Blitze wie alle heurigen in Wien zusammengezählt ...
natürlich war es ebenso wie der 27.5.11 einer der Tage, wo ich nicht in Wien war ;)

hier übrigens noch eine ergänzung von georg pistotnik:

http://www.wetterturnier.de/phorum5/rea ... 6#msg-7066" onclick="window.open(this.href);return false;

nadjap
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#20 Beitrag von nadjap » Donnerstag 21. Juli 2011, 13:31

Danke Felix für die Ergänzung! *super*
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#21 Beitrag von Exilfranke1 » Freitag 22. Juli 2011, 02:00

was mir noch nicht 100 %ig einleuchtet ist, warum Unterlaa markant weniger Gewittertage (13) als die Hohe Warte (28) und Schwechat (25) aufweist.

Hohe Warte ist klar, die Gewitter, die von Westen kommend. Unterlaa im Lee, aber warum Schwechat wieder deutlich mehr?

nadjap
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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#22 Beitrag von nadjap » Freitag 22. Juli 2011, 06:56

Exilfranke hat geschrieben:was mir noch nicht 100 %ig einleuchtet ist, warum Unterlaa markant weniger Gewittertage (13) als die Hohe Warte (28) und Schwechat (25) aufweist.

Hohe Warte ist klar, die Gewitter, die von Westen kommend. Unterlaa im Lee, aber warum Schwechat wieder deutlich mehr?
Lobau?

Mir fällt auch oft auf, dass es viele Zellen bei Schwechat gibt, oder bei Schwechat ein Gewitterkern bei mehreren Zellen liegt.
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Daniel

Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#23 Beitrag von Daniel » Freitag 22. Juli 2011, 20:46

bei den 15 bzw 12 Gewittertagen die es auf der HW oder Schwechat mehr gibt, handelt es sich aber um minizellen oder einfach nichts gscheits ausser ein paar leise Donner.
Wären es gscheite Gewittertag würde man die Donner auch in Unterlaa höhren

also ansich egal der Unterschied finde ich

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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#24 Beitrag von marcus_wien » Sonntag 31. Juli 2011, 13:55

toller beitrag
Wien ist spitze!! - Wetter ist was du draus machst!
marcus_wien2 165üNN, temp Messung: 2 m über Rasen in ca 800m² grossen begrünten Innenhof - in Wien2 nähe Nestroyplatz

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Re: Der "Wiener Lurch"-Effekt

#25 Beitrag von mani » Montag 1. August 2011, 12:52

Exilfranke hat geschrieben:was mir noch nicht 100 %ig einleuchtet ist, warum Unterlaa markant weniger Gewittertage (13) als die Hohe Warte (28) und Schwechat (25) aufweist.

Hohe Warte ist klar, die Gewitter, die von Westen kommend. Unterlaa im Lee, aber warum Schwechat wieder deutlich mehr?
Die Anzahl der Gewittertage ist eine bißchen problematische Messgröße, da die ja doch sehr beboachterabhängig ist. Der eine hört einen Donner noch, der nächste würde ihn nicht mehr hören. Auf Flughäfen ist die Anzahl der Gewittertage oft auch höher, weil die meist ständig besetzt sind. Stationen wie Unterlaa haben wohl nicht immer 24h pro Tag einen Beobacher gehabt, wodurch natürlich auch die Anzahl der Gewittertage niedriger ausfällt.

lg, Mani
Wien 20. beim Donaukanal (170 m) *snowman* oder Wels (319 m) *snow2* *snow1* [x] oder demnächst sonstwo (natürlich im Schnäää ;))

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