Am 23.06.2025 kam es zu einem Unwetter-Outbreak in großen Teilen Österreichs (siehe: viewtopic.php?t=30120). Unser Chasingteam SE war im vollen Einsatz: Gerald (dustdevil) deckte in seiner Heimat Kärnten einen großen Teil ab, Georg Pistotnik (GeoSphere Austria, ESTOFEX) war an der Leftmover-Superzelle im Wiener Becken dran und später noch im Waldviertel unterwegs. Mario (jdm) schrieb Warnungen auf den Social-Media-Kanälen von Skywarn Austria, während Thomas (Pf) und ich auf Sturmjagd im Südosten gingen.
Wir trafen uns gegen 17:30 Uhr am Flughafen Graz. Zu diesem Zeitpunkt herrschten gute Bedingungen (Takt 32 °C, TP 17 °C, leichter Südostwind, stark bewölkt durch Eisschirme aus Kärnten). Die ehemaligen Gewitterzellen aus Kärnten, an denen Gerald dran war (Bericht folgt), zogen langsam in unsere Richtung. Kurz vor 18:00 Uhr waren erste, konkretere Erscheinungen im Westen sichtbar – das Radar bestätigte diesen Eindruck:

Quelle: Arso (https://meteo.arso.gov.si/met/sl/weather/observ/radar/)

Auch etwas weiter nördlich entwickelte sich eine spannende Wolke – aus dieser Aufwind-Basis sollte dann die Grazer Superzelle entstehen:

Nachdem die Zellen immer näherkamen, verlagerten wir uns etwas weiter südlich in Richtung Kalsdorf. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht abschätzbar, ob die südlichere oder die nördlichere Zelle die stärkere werden würde. Daher wollten wir uns die Option offenhalten, nach Süden weiterzufahren.
Zwischen 18:08 Uhr und 18:11 Uhr entstanden diese Bilder, aufgenommen aus Kalsdorf bei Graz. Nur durch die Optik war ersichtlich, dass die nördlichere Zelle die dominierende werden würde:

Aus der Multizelle entstand eine Superzelle, die Rotation ist sogar am Bild zu erahnen. Für Graz wurde es in diesen Minuten ungemütlich, leider sorgte die Zelle für einige Schäden im Stadtgebiet.

Am Nordende kam es am Böenkragen über der Stadt zu Absenkungen inkl. Scud- bzw. Pannus-Wolke:

Die Superzelle hatte uns fast erreicht:

Am Radar sah man die massive Verstärkung genau über dem Stadtgebiet (Anm.: Der Punkt GR am slowenischen Radar ist der Schöckl):

Quelle: Arso (https://meteo.arso.gov.si/met/sl/weather/observ/radar/)
Wir entschlossen uns also doch, über die A2 in Richtung Osten aufzubrechen. Kurz vor der Autobahnauffahrt wurde es jedoch sehr knapp: Der Outflow der Zelle griff voll durch, und auch der RFD (rear flank downdraft) erreichte uns bereits. Dennoch schafften wir es, die Autobahn zu erreichen. Den nächsten Stopp machten wir bei der Autobahnraststation Arnwiesen zwischen 18:35 und 18:40 Uhr. Bis dahin konnten wir uns trotz Autobahn nur knapp auf der Vorderseite halten, da die Zelle ein enormes Tempo an den Tag legte. Im Rückspiegel sahen wir die mittlerweile ausgebildete Wallcloud. Der Outflow einer vorlaufenden, weiter nördlich liegenden Zelle schwächte unsere „Grazer Superzelle“ kaum ab.:



Wir setzten unsere Fahrt weiter in Richtung Osten und hielten bei Großwilfersdorf (zwischen Ilz und Fürstenfeld). Um 18:50 Uhr erreichten wir unseren Standort, während die Zelle im Norden vorbeizog. Unsere südlichere „Grazer Superzelle“ hatte sich mittlerweile abgeschwächt, dafür verstärkte sich die nördlichere der beiden Zellen wieder. Die beiden Zellen bildeten eine Art QLCS (quasi-linear convective system bzw. Squall Line, also eine Böenfront), das Bow Echo war deutlich sichtbar. Auf der Vorderseite muss es bei den hohen Temperaturen und niedrigen Taupunkten zu kräftigen Sturmböen gekommen sein. Auch an unserem Standort setzte der Outflow ein, was in Form eines Sandsturms sichtbar wurde:

Das Bow zeigte Absenkungen im Norden. Aufgrund der niedrigeren Taupunkte in diesem Gebiet und des verstärkten Outflows der nördlicheren Zelle war die Basis sehr hoch:

Abschließend ließen wir die Zelle nach Osten abziehen. Der Radar-Loop zeigt die gesamte Bahn der Zelle, die leider viele Schäden hinterließ:
Quelle: Arso (https://meteo.arso.gov.si/met/sl/weather/observ/radar/)
Never Stop Chasing.
